80.000 Saisonarbeiter werden aus Rumänien eingeflogen

Landwirte sind in Deutschland, um die Ernte und Saat am Laufen zu halten, auf Saisonarbeiter angewiesen. Deshalb sollen 80.000 von Ihnen nun unter immensem Aufwand eingeflogen werden. Ein „Taxi-Service“ soll behilflich sein.

Als die Bundesregierung am Donnerstag bekannt gab, dass trotz strenger Einreisesperren Saisonarbeiter in begrenztem Umfang nach Deutschland einreisen dürfen, war auf dem Spargel- und Kartoffelhof Demmin die Erleichterung groß. Hof-Chefin Madeleine Buchholz sagte, dass man nun hoffe, dass zum Erntebeginn am 20. April ausreichend Personal kommen könne. Fraglich ist nur, wie die Helfer in die Kleinstadt zwischen Berlin und Rostock gelangen sollen.

Auf Unterstützung aus dem Ausland warteten nicht nur in Demmin die Bauern. Überwiegend aus Polen und Rumänien kommen bis zu 95 Prozent der Saisonarbeiter und pflanzen dabei aktuell vor allem Salate, Kohl und viele weitere Gemüsesorten an. Nun stehen auch die Ernten von Spargel, Rhabarber, Salaten sowie Erdbeeren und Gurken an.

Daher begrüßten deutschlandweit viele den Kompromiss von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), auch wenn es strikte Auflagen gibt. Jeweils 40.000 Saisonkräfte dürfen nun im April und im Mai nach Deutschland kommen. Die rund 20.000 Arbeiter, die bereits vor der Krise im Land waren, dürfen aufgrund von Änderungen im Arbeitsrecht länger bleiben. Trotzdem ist die Unsicherheit bei den Landwirten weiterhin groß, wie die Helfer in die Betriebe gelangen sollen.

Landwirte können Sitzplätze und Startflughafen angeben

Gemeinsam mit den Bauernverbänden des Landes hat nun die Fluggesellschaft Eurowings angekündigt, Zehntausende Saisonarbeiter einzufliegen. Es ist von der Tochter der Lufthansa eine „Erntehelfer-Website“ eingerichtet worden, um Helfer an die benötigten Einsatzorte zu bringen. Bereits in dieser Woche solle der erste Flug von Düsseldorf nach Bukarest und wieder zurück starten. Der kommerzielle Flugplan ist bei dem Düsseldorfer Unternehmen, wie bei anderen Gesellschaften auch, auf ein Minimum reduziert worden.

Landwirte können nun im Netz genau angeben, wie hoch ihr Bedarf an Sitzplätzen ist und den Start- und Zielflughafen der Erntehelfer benennen. Unter Einhaltung aller notwendigen Vorschriften sollen dann von Lufthansa und Eurowings nach Abstimmung mit dem Deutschen Bauernverband die notwendigen Sonderflüge zur Verfügung gestellt werden. Derzeit sind als Abflughäfen Iasi, Timişoara, Sibiu, Cluj und Bukarest in Rumänien geplant, landen sollen die Maschinen in Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig und Nürnberg.

Dem ganze war die Erlaubnis des rumänischen Innenministers Marcel Vela vorausgegangen. Dieser hatte am Samstag angekündigt, trotz Corona-Krise den Saisonarbeitern die Ausreise zu ermöglichen. Flugverbindungen zwischen Rumänien und Corona-Risikoländern sind eigentlich verboten und über den Landweg sind die Durchreisen durch Ungarn untersagt. Für Personal im Bereich der Pflege und Medizin gilt dies Sondergenehmigung jedoch nicht, so der Minister. Auf eine Ausreise von dringend notwendigem medizinischem Personal hatte vor allem Österreich zuletzt gedrängt. Auch in Rumänien fehlen Ärzte und Pfleger.

Die Arbeitskräfte unterliegen nach der Einreise aber strikten Auflagen. So muss in eine strikt getrennte Unterbringung, wer neu einreist. In den ersten 14 Tagen darf dieser auch nicht das Betriebsgelände verlassen. Genannt wird das von der Regierung eine „faktische Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit“. Auch die Unterkünfte sind verschärften Regeln unterworfen. Besucher sind verboten und Zimmer dürfen nur noch zur Hälfte belegt werden. Ebenso sind Wäsche und Geschirr bei wenigstens 60 Grad zu reinigen.

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