800 Migranten stürmen Grenzzaun zu spanischer Exklave

Etwa 400 afrikanische Flüchtlinge stürmten „brutal wie noch nie zuvor“ den etwa sechs Meter hohen Zaun, der sie vom spanischen Hoheitsgebiet trennte.

Ceuta ist eine spanische Stadt an der Küste Nordafrikas. Die Exklave liegt in Marokko, gehört jedoch zum spanischen Hoheitsgebiet und damit zur EU. Das Gebiet ist umgeben von einem meterhohen Grenzzaun, um ein Eindringen in die EU zu verhindern. Immer wieder versuchen Migranten diese Festland-Grenze zur EU zu überqueren. Dieses Mal soll der Ansturm so „brutal wie noch nie zuvor“ gewesen sein, so wurde ein Polizeisprecher von der Nachrichtenagentur „Europa Press“ zitiert. Auch die Kopfzahl des Ansturms sei so hoch gewesen, wie seit Jahren nicht mehr.

Etwa 800 Migranten hätten den doppelten Stacheldrahtzaun „plötzlich und mit viel Gewalt“ gestürmt. Nach Angaben des spanischen Zivilschutzes erreichten 602 von ihnen bei der Aktion spanischen Boden, wo sie dann den Zugang zur EU feierten.

Der Ansturm Asylsuchender schnitt Löcher in den Zaun oder versuchte darüber zu klettern. Um die Sicherheitskräfte abzuwehren, nutzen die Grenzgänger selbstgebastelte Flammenwerfer, Fäkalien und Brandkalk. Die Polizei gab an, dass etwa 15 Grenzbeamte bei dem Angriff verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert worden sind. Auch 16 Zuwanderer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Das Rote Kreuz meldete, dass etwa 130 Migranten sich bei der Überquerung des sechs Meter hohen Stacheldrahtzauns verletzt hätten. Eine andere Quelle berichtet, dass etwa 30 behandelt worden wären.

Eine Augenzeugin, die gegen Stacheldrahtzäune aufbegehrt, stellte dieses Foto ins Netz:

Auf dem Festland gibt es zwei Wege nach Spanien: Die genannte Exklave Ceuta und Melilla etwas weiter östlich davon. Beide grenzen an Marokko. In Grenznähe verharren Zehntausende Afrikaner unter verzweifelten Bedingungen und hoffen auf eine Gelegenheit in die EU zu gelangen. Fast 3000 Menschen hätten dieses Jahr bereits versucht, die schwer bewachten Grenzanlagen zu den beiden Exklaven zu überqueren.

Spanien ist inzwischen Hauptziel der Flüchtenden aus Afrika. Seit Italien rigoros gegen Flüchtlingsströme auf dem Wasserweg vorgeht, hat sich die Mittelmeerroute Richtung Spanien verschoben. Dieses Jahr seien nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration fast 19.600 Zuwanderer in Spanien angekommen. Die meisten davon auf dem Seeweg. Im Vorjahr waren im selben Zeitraum nur rund 7.560 Zuwanderer in Spanien gezählt worden. Auch in Griechenland steigt die Zahl der Migranten wieder. Italien hat den Flüchtlingsstrom nach ersten Zählungen um rund 80 Prozent gebremst bzw. umgelenkt.