Amazon: Falscher Kunde erhält intime Sprachaufnahmen

Sprachassistent Alexa soll das Leben leichter machen und hört deshalb überall mit. Amazon verschickte die intimen Aufnahmen von Schlafzimmer, Bad und Fernseher an den falschen Kunden

Amazon-Kunde Andreas (Name erfunden) wollte wissen, welche Daten Amazon von ihm gespeichert hat und reichte deshalb die Forderung einer Datenauskunft gemäß der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein. Andreas erhielt, laut „heise“-Bericht, zwei Monate später einen Downloadlink mit einem Sammelsurium an Dateien. Jedoch staunte er nicht schlecht, als er die Daten sichtete und dabei nicht nur seine Daten fand, sondern auch ein Archiv von über 1700 Audiodateien, die ein Alexa-Sprachassistent gemacht hatte plus ein PDF-Transkript der erkannten Sätze. Da Andreas selbst gar kein Alexa-Gerät nutzt, fiel ihm schnell auf, dass die Daten zu einem anderen Kunden gehören mussten. Außerdem erkannte er anhand der Tonaufnahmen sofort, dass es sich hierbei um intime Mitschnitte aus einem fremden Haushalt handelte.

Andreas wandte sich zunächst an Amazon, erhielt aber keine Antwort. Allerdings verschwand der Download-Link. Daraufhin suchte Andreas Rat bei der C’T-Redaktion, einer Computer-Fachzeitschrift. Damit erhielt C’T die Daten und machte sich daran, den zugehörigen Kunden ausfindig zu machen. „Es war wirklich, muss ich ehrlich sagen, sehr unangenehm“, sagt C’T-Redakteur Holger Bleich im Deutschlandfunk. „Sie können sich vorstellen, sie ziehen Kopfhörer auf und hören diese Daten ab und befinden sich plötzlich in einer fremden Wohnung. Es ging um mehrere Alexa-Aufzeichnungsgeräte, also mit Sicherheit ein Handy war noch dabei, dann waren es mindestens zwei Echos, dann war es zum Beispiel auch eine Fire TV Setup Box, das heißt ich wusste auch noch immer, was er guckt.“ Die Aufnahmen, die Bleich hörte, waren so umfangreich, dass er binnen weniger Stunden herausgefunden hatte, zu wem sie gehörten. „Es sind zum Beispiel Namen gefallen, dann wurde zum Beispiel nach dem Wetter an bestimmten Orten gefragt. Und dann fängt man halt an, ein bisschen rum zu googeln und findet dann entsprechende Facebook- und Twitter-Profile“, so der C’T-Redakteur.

C’T informierte Amazon und den Kunden. Dieser hatte laut „heise“-Bericht nach wie vor nichts von Amazon gehört, obwohl Andreas den Vorfall ja gemeldet hatte. C’T erfuhr von Amazon: „Dieser unglückliche Fall war die Folge eines menschlichen Fehlers und ein isolierter Einzelfall.“ Das Unternehmen habe das Problem mit den beiden beteiligten Kunden geklärt und Maßnahmen zur „weiteren Verbesserung unserer Prozesse“ ergriffen. Erst jetzt kontaktierte Amazon den betroffenen Kunden. Er erhielt als „Entschädigung“ eine kostenlose Prime-Mitgliedschaft sowie zwei weitere Echo-Lautsprecher.