Behörden überfordert: deutsche Skigebiete werden überrannt

Die Skigebiete im deutschen Gebirge werden überrannt. Die Polizei kämpft wieder gegen zahlreiche Vergehen nach Infektionsschutzgesetz. Doch gegen die Masse an Besuchern kommt sie nicht an.

In den deutschen Bergen herrscht erneut reger Betrieb. Vom kompletten Lockdown ist dort nicht viel zu sehen. Trotz gesperrten Pisten, geschlossenen Gondeln und Toiletten drängen massenweise Tagestouristen in die Berge. Wie an den Weihnachtsfeiertagen entsteht Verkehrschaos. Die Stadt Winterberg in Nordrhein-Westfalen berichtet bereits heute wieder über zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung und kilometerlange Staus. „Die Skigebiete im Kreisgebiet laufen voll“, schrieb die Polizei heute via Twitter, „Kommt nicht in die Skigebiete. Es ist nicht die richtige Zeit für Menschenansammlungen!“. Die Polizei reagierte wenig später mit Straßensperren Richtung Winterberg.

An den Weihnachtsfeiertagen waren bereits zahlreiche Tagestouristen in die deutschen Skigebiete gestürmt. Die Behörden kamen nicht gegen den Massenandrang an. Im Erzgebirge, im Harz, im Sauerland, im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb, im Fichtelgebirge im Bayerischen Wald zeichnete sich überall das gleiche Bild: Menschenmassen drängten sich entlang der Pisten und Wanderwege. Abstände wurden nicht eingehalten und mitnichten trug jeder eine Maske.

Die Polizei in Oberwiesenthal im sächsischen Erzgebirge verzeichnete allein über die Weihnachtsfeiertage über 100 Verstöße gegen die Corona-Regeln. Zahlreiche Menschen wanderten oder rodelten im Schneegestöber, obwohl in Sachsen aufgrund alarmierend hoher Infektionszahlen Ausgangsbeschränkungen bestehen. Theoretisch darf man die Wohnung dort nur mit triftigem Grund und maximal im Umkreis von 15 Kilometern verlassen.

Auch in Bayern und Baden-Württemberg war und ist der Andrang auf die Skigebiete und Rodelpisten groß. Zum Jahresende wurden im Bayerischen Wald zahlreiche Tagestouristen registriert. „Wir erleben Szenen wie an normalen Skiwochenenden“, berichtet der Betreiber der Geißkopfbahn gegenüber dem Sender „BR“. Die Betreiber sind beunruhigt, nicht nur wegen Corona sondern auch wegen der Verletzungsgefahr. Weder Pisten noch Parkplätze werden in Stand gehalten. So erhöht sich das Unfallrisiko massiv.

An der Geißkopfbahn wurden nun alle Parkplätze gesperrt, um den ungebetenen Gästen das Ankommen zu erschweren. Doch die Wintersportler scheuen auch ungewöhnliche Parklösungen nicht. In Calw im Nordschwarzwald registrierte die Polizei hunderte Verwarnungen wegen Falschparkens. Die Autos parkten entlang der Zufahrtsstraßen und verschärften damit das Verkehrschaos. Über die Feiertage und am Wochenende bildeten sich um die Hotspots im Schwarzwald kilometerlange Staus. Laut dpa wurden sogar Rettungskräfte blockiert. Die Polizei kam nicht mehr hinterher, die Ordnungswidrigkeiten zu maßregeln. „Teilweise bestehende Durchfahrtsverbote wurden ignoriert, Warnbaken umfahren“, geht aus einem Polizeibericht von der Schwäbischen Alb hervor.