BVB-Profis beim Bomber-Prozess: Spieler immer noch traumatisiert

Seit dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus ist ein Jahr vergangen. Der Prozess hat begonnen und die Stars des Fußballklubs müssen vor Gericht aussagen.

Unter den Zeugen sind Torwart Roman Bürki (27), Sokratis (29) und Raphael Guerreiro (24) sowie Shinji Kagawa, Nuri Sahin, Lukasz Piszczek, Christian Pulisic und Julian Weigl. Die Kammer hat noch drei weitere Zeugen aus dem Mannschafts- und Betreuerstab geladen.

Der Torwart erinnert sich noch sehr genau an die Tat als wäre es gestern gewesen: „Wir waren im Hotel vor dem Spiel gegen Monaco, sind losgefahren. Wir kamen nicht weit. Noch in der Ausfahrt ist die Bombe explodiert. Wir haben einen lauten Knall gehört, waren geschockt. Ich habe kurz daran gedacht, dass ein Reifen geplatzt ist. Wir haben Marc (Bartra, d. Red.) vor Schmerzen schreien gehört. Der Bus fuhr noch etwas weiter. Wir haben uns geduckt, sind auf den Boden gesprungen. Marc lag auf dem Boden mit blutendem Arm. Er wurde verbunden. Ich bin bis zum Schluss bei Marc geblieben, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind. Er war ganz bleich, hat geschwitzt.“

Die Attacke hat er immer noch nicht überwunden und wie er selber sagt, leidet er heute noch an den Folgen: „Wenn jemand hinter mir was fallen lässt, bin ich noch immer schreckhaft und dann wütend. In den Nächten danach hatte ich noch immer Träume.“


Sokartis, welcher in der Abwehr spielt, macht eine ähnliche Aussage: „Ich sah die Löcher in den Fenstern. Ich hatte Angst, dachte, irgendwer schießt auf uns. Die meisten Spieler haben sich geduckt. Ich rief zum Fahrer, er solle weiterfahren, aus Angst. Was uns geblieben ist, ist der Schock unmittelbar danach. Ich denke noch sehr oft daran, vor allem, wenn wir aus dem Hotel rausgehen. Ich habe aber für mich ausgemacht, dass das Leben weitergeht, werde es aber nicht mehr vergessen. Es wird als eine schlechte, böse Erinnerung bleiben.“

Bevor der Dritte im Bunde, Raphael Guerreiro, seine Aussage macht, kommen ihm die Tränen. Danach schildert er seine Sicht der Dinge: „Ich habe im Bus Musik gehört. Alle waren sehr überrascht nach dem Knall. Unser Reflex war, uns alle zu schützen und auf den Boden zu legen. Wir haben abgewartet, ob noch weitere Explosionen kommen.“ Der Portugiese hat nach dem Anschlag keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Er versucht nicht mehr daran zu denken doch an Tagen wie diesen, wenn man darüber sprechen muss ist es sehr schwierig für ihn.

Vergangene Woche hat Ex-BVB-Spieler Matthias Ginter gegen Sergej W. ausgesagt. Auch er ist während der Vernehmung in Tränen ausgebrochen, als er sich an den Tag erinnerte und ins Detail schilderte was vorgefallen ist. Sogar über einen Rücktritt hat der 24-jährige nachgedacht, denn er war sich nicht mehr sicher ob es noch wert ist, sich solch einem Risiko weiterhin auszusetzen.


Der Täter Sergej W. hat die Tat zugegeben, will aber keine Tötungsabsichten gehabt haben. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen 28-fachen versuchten Mordes angeklagt.