Chaos wegen Diesel-Frust, Demonstrantin überfahren, 47 Verletzte

Zehntausende Franzosen sind wegen einer geplanten Steuererhöhung auf die Straßen gegangen. Vielerorts stellte sich Chaos ein. Eine Demonstrantin wurde übergefahren und getötet, 47 Menschen wurden verletzt, drei davon schwer.

Pont-de-Beauvoisin, Frankreich: Bei einer Straßenblockade von demonstrierenden Franzosen nördlich von Grenoble ereignete sich ein tödlicher Unfall. Eine Autofahrerin geriet umgeben von den trommelnden Demonstranten in Panik und überfuhr dabei eine Demonstrantin. Die betroffene Demonstrantin starb in Folge des Verkehrsunfalls.

Bei einem weiteren Autounfall nahe der deutschen Grenze wurde ein Polizist verletzt. Dort hatte ein Autofahrer versucht, die Straßensperre zu durchbrechen und dabei einen Polizisten umgefahren. Bei dem Unfall „mit schweren Folgen“ wurde der Polizist jedoch nicht getötet, so berichtet das französische Innenministerium.

2000 Protestaktionen im ganzen Land
Die Demonstrationen gegen eine geplante Steuererhöhung auf Diesel in Frankreich prägten am heutigen Samstag das Straßenbild im ganzen Land. Vielerorts kam es zu Zwischenfällen. Bis zum Samstag-Nachmittag meldete das französische Innenministerium 47 Verletzte und 24 Festnahmen. Insgesamt sollen rund 124.000 Menschen bei etwa 2000 Protestaktionen ihren Unmut über die Steuererhöhung kundgetan haben. Medienberichten zufolge sollen viele der Protestaktionen unangemeldet gewesen sein.

„Gilets Jaunes“ gegen Kraftstoffsteuer-Erhöhung
Als Auslöser für die Bewegung gilt ein emotionales Handyvideo, dass sich in sozialen Netzwerken millionenfach verbreitet hat. Eine 51-jährige Dieselfahrerin klagte in dem Video über eine „Hetzjagd auf Autofahrer“. „Vor zehn Jahren habt Ihr uns dazu gebracht, Diesel zu kaufen, weil sie als umweltfreundlicher galten“ erklärt die dreifache Mutter in dem knapp fünfminütigen Videoclip, nun würden die Dieselfahrer ihrer Meinung nach missbraucht, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Mit dem Video entstand die nationale Protestbewegung „Gilets Jaunes“, sinngemäß übersetzt heißt das „Warnwesten“. Die Wut der Protestler richtet sich gegen die ohnehin schon hohen Spritpreise und Macrons geplante Kraftstoffsteuer-Erhöhung. Laut dem Manager Magazin sei der Dieselpreis diese Woche bei 1,90 € pro Liter angekommen. Der Liter Super koste 1,98 €. Zum Jahreswechsel möchte der französische Präsident Emmanuel Macron die Steuer auf Diesel erhöhen. Damit explodierte die ohnehin schon frustrierte Stimmung der französischen Autofahrer.

Die französische Regierung begründet die geplante Steuererhöhung mit Verweisen auf Umweltschutz und die Abgasaffäre um Dieselfahrzeuge. Die Opposition wirft der Regierung vor, man würde die Autofahrer unter falscher Prämisse zur Kasse bitten, um die leeren Staatskassen zu füllen.