Corona im Kopf: Die Viren hinterlassen Entzündungen im Gehirn

Nach einer US-Studie entwickeln über 80 Prozent der hospitalisierten Corona-Patienten neurologische Symptome. Deutsche Forscher stellen nun fest, was im Gehirn von COVID-19-Erkrankten tatsächlich passiert.

Dass das neuartige Corona-Virus auch neurologische Symptome verursachen kann, ist seit Monaten bekannt. US-Studien legen nahe, dass besonders bei schweren Verläufen, sehr häufig auch das Gehirn betroffen ist. Bislang war unklar, warum. Forscher aus Hamburg und Freiburg kamen der Erklärung näher.

Entzündungsreaktion löst neurologische Störungen aus

An der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf untersuchte Markus Glatzel und sein Team die Gehirne von 42 verstorbenen Corona-Opfern. In etwa der Hälfte der Gehirne fanden die Forscher Spuren von Sars-CoV-2. Vor allem aber erkannten sie, dass in den Gehirnen eine Entzündungsreaktion stattgefunden hatte. Die Forscher „konnten zeigen, dass nicht das neuartige Coronavirus selbst das Gehirn schädigt, sondern die neurologischen Symptome vermutlich eine indirekte Folge der Virusinfektion sind“, wird Glatzel von Focus Online zitiert. „Wir haben angenommen, dass wir da, wo Nervenzellen Schaden genommen haben, auch das Virus finden. Aber das war nicht der Fall. Wir haben festgestellt, dass wir da, wo wir Schaden im Gehirn sehen, die Immunantwort da ist, aber das Virus nicht mehr – oder auch nie da war“, führt der Professor an anderer Stelle aus. Die Forscher schließen daraus, dass die bekannten neurologischen Symptome während und nach einer Corona-Infektion nicht direkt durch die Viren selbst, sondern möglicherweise durch die Entzündung im Gehirn ausgelöst würden.

Neurologische Störungen meistens bei schweren Verläufen

Forscher aus den USA untersuchten derweil die neurologischen Symptome bei lebenden COVID-19-Patienten. Wissenschaftler der Feinberg School of Medicine in Chicago erkannten, dass vor allem bei schweren Krankheitsverläufen neurologische Störungen entstehen. Darunter traf es allerdings nicht in erster Linie die älteste Patientengruppe. Die Patienten mit neurologischen Symptomen waren im Durchschnitt 57 Jahre alt, wohingegen die Patienten ohne derartige Symptome im Mittel 62 Jahre alt waren.

In den Krankenhäusern in Chicago zeigten sich vor allem folgende neurologische Symptome: Fast die Hälfte der Betroffenen klagte über Muskelschmerzen. Knapp 40 Prozent litten unter Kopfschmerzen. Etwas mehr als 30 Prozent entwickelten eine Enzephalopathie, eine fast genauso große Gruppe erlitt Schwindel. Rund 15 Prozent der Patienten klagten über Geschmacksstörungen und jeder Zehnte verlor seinen Geruchssinn im Verlauf der Erkrankung.