Corona-Mysterium in Halle: „Virus trickst uns aus“

Dieser Corona-Fall aus Halle ist äußerst merkwürdig und beunruhigend. Dort berichtet ein Krankenhaus über eine Infektion, die scheinbar alle Verteidigungsmaßnahmen umschiffte. Der Oberbürgermeister schlug Alarm. Was ist dran an der Geschichte?

„Das Virus trickst uns aus“, wird Hendrik Liedtke, der Ärztliche Direktor des Elisabeth-Krankenhauses in Halle zitiert. Dort kam es vor kurzem zu einem Corona-Ausbruch mit mehreren Infizierten. Liedtke beschrieb einen besonderen Fall: Eine Person sei vollständig geimpft gewesen, hätte keinerlei Symptome gezeigt und habe im Schnelltest ein negatives Ergebnis erhalten. Im PCR-Test jedoch zeigte sich eine hohe Viruslast. Das heißt, der Mensch war hochinfektiös und hätte ahnungslos zum Superspreader werden können.

Liedtke informierte den Oberbürgermeister Bernd Wiegand über den Fall. Der zitierte den Arzt danach in einer warnenden Videoansprache: „Das Virus hat offenbar eine neue Strategie und umschifft alle Abwehr-Maßnahmen, die wir bisher hatten.“ Wiegand rief die Bevölkerung dazu auf, trotz Impfungen und Schnelltests „tatsächlich Abstand zu halten und auf nichts zu vertrauen“.

Was bedeutet der Fall für die Anti-Corona-Maßnahmen?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bleibt auch nach einer Impfung die Notwendigkeit bestehen, die AHA + A + L-Regeln einzuhalten. Das ist nichts Neues.

Dr. Hendrik Liedtke äußerte sich später in einem Interview mit dem Magazin „Halle Spektrum“ selbst zu dem Vorfall. Der Krankenhaus-Direktor bestätigt den Fall, wies aber daraufhin, das es ihm um zwei Dinge ging: Zum Einen „die Rolle der Schnellteste. Falsch negative Ergebnisse sind bei diesen schon immer im Bereich des Möglichen gewesen und sind es auch jetzt. Das mag vielleicht für Schulen und Kitas reichen. Für Krankenhäuser sind diese jedoch nur im Grobscreening zu gebrauchen und können keinesfalls Lockerungsmaßnahmen begründen“, so Liedtke.

Zum Anderen liefere der Fall Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Impfung. Die gute Nachricht sei zwar, „dass das Impfen wirkt. Trotz vieler Viren war die Person nicht erkrankt“, erklärt der Arzt. Es sei jedoch noch immer nicht wissenschaftlich belegt, ob Geimpfte ansteckend sind. Nach diesem Fall müsse man „das in unsere Abwehrmaßnahmen jedoch verstärkt einkalkulieren“.

„Neu ist, dass wir jetzt feststellen müssen, dass offenbar geimpfte Personen auch positiv getestet werden können. Was wir noch nicht wissen ist, ob die auch dieses Virus weitergeben“, erläutert der Mediziner gegenüber „ZDFheute“.

Erste Studien weisen auf eine verminderte Ansteckung hin

Nach einer noch unveröffentlichten Studie aus Israel verhindere die Biontech/Pfizer-Impfung die Weiterübertragung der Viren um rund 90 Prozent. Eine Studie aus Großbritannien zeigte bei AstraZeneca-Impflingen eine vergleichbare Wirkung in 50 bis 60 Prozent der Fälle. Beide Ergebnisse wurden noch nicht wissenschaftlich überprüft.