Corona-Selbsttests – das sollte man wissen

Auf den bald flächendeckend erhältlichen Corona-Selbsttests liegen ganz große Hoffnungen. Doch werden sie den Nutzern die Verantwortung nicht abnehmen und kein Freibrief für Fahrlässigkeit sein.

Fünf Mal soll in jedem Nasenloch die dünne Stoffspitze des Tupfers gedreht werden. Auch wenn es dabei brennt, kitzelt und auch Tränen laufen. Im Anschluss kommt er in ein Plastikröhrchen, das vor dem Abstrich schon mit einer Flüssigkeit gefüllt wird. Der Tupfer wird auch hier ein paar Mal hin- und hergedreht, eine Minuten einwirken gelassen und schlussendlich die Stoffspitze ausgedrückt. Vier Tröpfchen aus dem Röhrchen lässt man nun auf die Testkassette träufeln. Die gesamte Prozedur dauert keine fünf Minuten.

Nun heißt es eine Viertelstunde lang waren und dann kann das Ergebnis abgelesen werden. Ist der Timer abgelaufen, sollte im besten Fall ein Strich auf der Testkassette zu sehen sein. Das heißt, der Test war negativ.

Hoffnung auf Normalität

Für Laien wecken diese Schnelltests in der Pandemie die Hoffnung auf Normalität. Bevor man das Haus verlässt, kann man sich schnell selbst testen und im Anschluss beruhigt aufbrechen. Doch wurden die Hoffnungen auf umfangreiche Öffnungen der Kontaktbeschränkungen durch die Einführung von Schnelltests durch die Kanzlerin aber gedämpft.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat mittlerweile mehrere Tests zugelassen. Dabei war Voraussetzung, dass die Tests auch von Menschen ohne medizinische Kenntnisse korrekt angewendet werden können. Die Gebrauchsanweisung ist dabei immens wichtig.

Nicht angenehm, aber machbar

Grundsätzlich muss man bei allen drei Test, den von Siemens Healthineers, Technomed und Lissner Qi vertrieben werden, eine Abstrich im vorderen Nasenbereich machen. Es ist nicht angenehm, aber bei Weitem nicht so unangenehm wie ein Rachen- oder Nasen-Rachen-Abstrich bei einem PCR-Test. Auch ist es möglich, dass künftig Gurgel- und Spucktests zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich sehen Experten die Handhabung durch Laien unproblematisch. Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek glaubt, dass ein Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich von den meisten Menschen selbst gemacht werden kann. Wichtig ist, dass man wisse, wie man es machen muss.

Der Anwender als entscheidender Faktor

Doch es gibt auch mahnende Stimmen, wie von Freiburger Medizinstatistiker Gerd Antes. Denn sowohl die Tests als auch die Selbsttester sind dabei verschieden. Entscheidend ist auch hier der Mensch, der den Antigen-Schnelltest korrekt anwenden muss und auch mit dem Ergebnis verantwortungsvoll umgehen muss.

Denn ein negatives Ergebnis ist noch lange kein Freibrief für lange Umarmungen und dichtes Zusammensein. Die Hygieneregeln sollten auch weiter beachtet werden. 100 Prozent zuverlässig sind die Tests auch nicht, denn sie schlagen gut an, wenn die Virenlast hoch ist. Sie erkennen zuverlässig, wenn ein Mensch stark ansteckend ist. Allerdings können sie fehlerhaft sein, wenn der Infizierte nur wenig Viren hat, etwa zu Beginn oder Ende der Erkrankung.

Und so warnte vergangenen Freitag auch das RKI vor einer Überschätzung der Tests in der Bekämpfung der Pandemie. Sie seien keine Wunderwaffe und die Erwartung, sich in bestimmten Situationen freizutesten, werde sich nicht erfüllen. Daher handele es sich bei einem negativen Ergebnis um eine Momentaufnahme und schließe eine Infektion nicht aus. Ist der Test hingegen positiv, sollte man sich umgehend isolieren und den Hausarzt oder das Gesundheitsamt kontaktieren.

Warten auf die Selbsttests

Bleibt nur noch die Frage, wann die Tests in den Handel kommen. Die Politik lässt verlauten, dass die ersten Schnelltests nach der Sonderzulassung bald in Apotheken, Drogerien und anderen Geschäften und Online zu haben sein werden.

In größeren Mengen werden sie nach Ansicht des Verbandes der Diagnostica-Industrie wohl in der zweiten Märzwoche verfügbar sein. Von Siemens Healthineers kommt die Aussage, dass zuerst die Bestellungen von Bund und Länder und den Primärabnehmern wie Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen bedient werden. Derzeit laufen Gespräche mit den Großhändlern, damit „im Laufe des März“ die Apotheken mit dem Test namens Clinitest Rapid Covid-19 verfügbar sein werden.

Mit der ersten Auslieferung in zehn bis vierzehn Tagen rechnet auch die Hamburger Gesellschaft Lissner für den Lyher Covid-19 Antigen Schnelltest.
Ab der zweiten Märzwoche könnte nach Angaben von Technomed-Geschäftsführer Moritz Bubik die Tests namens Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test Card im deutschen Handel erhältlich sein. Alle drei Anbieter machten aber keine Angaben zu den Preisen.

Wachsendes Angebot

Bei den drei Tests wird es aber nicht bleiben. Rund 50 weitere Anträge auf Sonderzulassung liegen beim BfArM vor. Wann diese zugelassen werden, stehe aber noch nicht fest. Dies ist abhängig von den eingereichten Unterlagen, so eine Sprecherin.

Auch werden wohl weitere Tests in den nächsten Tagen- und Wochen von weiteren Prüfstellen wie dem TÜV zertifiziert werden. Mit dem Angebot wachse somit auch die Verfügbarkeit.