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Ehrenmord: 19-jähriger wegen einer Tat seines Onkels getötet

Im Donaustädtchen Erbach wurde im Mai 2017 die Leiche eines 19-jährigen Albaners aus einem Anglersee geborgen. Wie die Staatsanwaltschaft berichtet, war die Leiche in eine Folie gewickelt und wie sich herausstellte, das Opfer an den See gelockt und „mit einer Vielzahl an wuchtig geführten Schlägen, mutmaßlich mit einem Hammer, gegen den Kopf“ getötet. Die Ermittlungen haben ergeben, dass es sich bei dem Mord um die Fortführung einer Rache handelte, welche nach Südosteuropa führte.

Die Selbstjustiz aus Albanien macht auch vor Deutschlands Grenzen keinen Halt. Ab dem 16. April wird ein 46-jähriger deutscher Staatsbürger aus Albanien wegen Mordes für diese Tat vor dem Landesgericht Ulm stehen.

Der Beweggrund zu dieser Tat ist unfassbar. So musste der 19-jährige mit seinem Leben für einen Mord, den sein Onkel vor 17 Jahren in Albanien verübt haben soll, bezahlen. Albanienexperte Herbert Schedler erklärt, dass diese Verbrechen auf den „Kanun“-Vorschriften beruhen, in welchen die Blutrache schon seit Jahrhunderten praktiziert wird. Trotz Verboten und Aufklärungskampagnen kommen solche Verbrechen immer noch vor, jedoch viel seltener als auch schon.

Auch in Deutschland muss sich die Justiz immer wieder mit solchen Verbrechen auseinandersetzen. Ein 46-jähriger Albaner wurde Anfang 2017 vor einer Grundschule im niedersächsischen Visselhövede erschossen. Wegen Mordes wurde damals ein 23-jähriger Albaner zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Eine Statistik wird über die Blutrache-Morde nicht geführt. Wie das Bundeskriminalamt erklärt, fallen solche Motivlagen in keine Strafrechtskategorie. Trotzdem bestätigte das BKA 2010: „Solche Verbrechen sind fester Bestandteil des Kriminalitätsgeschehens und damit Teil der Gesellschaft in Deutschland“.

Im Fall des 19-jährigen Opfers gibt es jedoch Zweifel ob hier tatsächlich ein Ehrenmord begangen wurde. Albanienkenner Herbert Schedler findet, dass die Art und Weise der Tat nicht den „Kanun“-Regeln entspricht. So wurde das Opfer in eine Falle gelockt, was nicht der Regel entspricht. Bei einem Mord für die Ehre, wird das Opfer üblicherweise auf offener Straße angesprochen und erschossen. Heutzutage kommt es öfters vor, dass Albaner ein Verbrechen als Blutrache betiteln und damit den Anschein von Ehre erwecken möchten.

In diesem Fall hat die Anklage keine leichte Aufgabe vor sich. Der Beschuldigte bestreitet die Tat und Familienmitglieder arbeiten nicht gerne mit der Polizei zusammen. Vor allem wenn es um einen Ehrenmord geht, stoßen die Beamten bei Verwandten auf eine Wand. Die Anklage wurde aufgrund Indizien und Zeugenaussagen erhoben. Es wird sich zeigen, ob die acht geplanten Verhandlungstage reichen. Weitere 25 Tage wurden vorsichtshalber eingeplant und mit einem Urteil kann im Sommer 2019 gerechnet werden.