Erdogan-Skandal: Rote Karte für Gündogan & Özil

Wenn es nach Meinungsumfragen ginge, würden Ilkay Gündoğan und Mesut Özil wahrscheinlich aus dem WM-Kader fliegen.

Für die umstrittene Fotosession mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hagelt es jedenfalls scharfe Kritik von allen Seiten. Gesellschaftlich betrachtet haben die beiden sich schon ihre rote Karte eingefangen.

Die BILD-Zeitung debattiert über die „gescheiterte Integration“. Die Süddeutsche zitiert eine niederschmetternde Meinungsumfrage. Fans machen auf Twitter und Facebook ihren Frust deutlich.

36 Prozent der Deutschen hätten Gündogan & Özil aus dem WM-Kader geschmissen, das ist das Ergebnis einer Emnid-Umfrage, die von der Süddeutschen zitiert wird.

Welche Absicht hinter den Fotos tatsächlich steckt, ist unklar. Die Fußball-Profis stellen sich selbst als naive Heimatromantiker dar. „Heimat gibt es auch im Plural“ ist das flache Ergebnis eines Treffens mit Bundespräsident Steinmeier. Kritiker behaupten, dass die Fotos politisch motiviert sein könnten und Erdogan bei den kommenden Wahlen bestärken würden. Die BILD deckt Hintergründe auf, die darauf hinweisen, dass es um Geld geht: Fünf Millionen Euro soll Gündogan und Familie in eine Bauprojekt in der Türkei investiert haben.

Die BILD-Zeitung spiegelt auch prominente Meinungen:
“Box-Europameister Ünsal Arik (37) sagte BamS: „Ich will nicht wissen, wie viele Türken die beiden mit ihrer dummen Aktion dazu bewegt haben, für Erdogan zu stimmen. Bei ihren Spielen tragen sie das Wort ‚Respect‘ auf dem Ärmel. Aber vor wem haben sie denn Respekt? Vor denen, die wegen ­Erdogan unschuldig im Gefängnis sitzen?“

Ex-DFB-Nachwuchstrainer Horst Hrubesch (67): „Sie sind hier geboren und normal aufgewachsen wie wir auch. Dass sie in ihrer Familie leben und dort geprägt werden, ist normal. Da wird von der Sprache und den Sitten her anders gelebt. Das verstehe ich schon. Aber wenn du von klein auf in Deutschland aufwächst, dann kann das normalerweise nicht sein.“ “

„Man darf diesen Fall nicht als peinliche Geste abtun.“ sagt der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad (46, „Integration – Protokoll eines Scheiterns“) gegenüber der Zeitung und spricht von einem „unverzeihlich“en Fehler: „Dass Özil als Nationalspieler die Hymne nicht singt, in der es ,Einigkeit und Recht und Freiheit‘ heißt, aber Wahlkampf für Erdogan macht, ist unverzeihlich.“

Ob unverzeihlich oder Meinungsfreiheit ist sicherlich Geschmackssache. Dass die beiden Sport-Idole sich unter dem Deckmantel der Naivität aus der Affäre ziehen wollen, ist geschmacklos. Immerhin verdienen die Fußball-Profis Millionen mit ihren Statements und Fotos. Dass sie nicht wissen wollen, welche Wirkung die haben, ist einfach nur unglaubwürdig.

Bezüglich der WM-Aufstellung hat der Skandal keine Folgen: DFB-Präsident Reinhard Grindel, Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, erklärten im ARD-Interview: „Es gab ein Gespräch und von daher denke ich, dass wir jetzt so langsam über andere Themen reden können.“