Fake-News beim SPIEGEL: Lügen-Reporter gibt Preise zurück

Redakteur Claas Relotius veröffentlichte in den letzten Jahren knapp 60 Geschichten beim SPIEGEL. Jetzt kommt raus: Er schrieb Märchen, viele Details waren ausgedacht. Relotius gewann sich vier deutsche Reporterpreise. Die gibt er nun zurück.

Der Journalist Claas Relotius zeigte sich geständig nachdem er entlarvt wurde. Mit seiner „Lügen-Presse“ hatte er vier deutsche Reporterpreise gewonnen. Die gibt er nun wieder zurück und kommt damit einer Aberkennung zuvor.

Der SPIEGEL berichtet in eigener Sache von dem gigantischen Fake-News-Skandal. Interne Hinweise hatten zutage gebracht, dass der (Ex-)SPIEGEL-Redakteur Claas Relotius viele seiner Geschichten gefälscht hatte. Protagonisten wurden erfunden, Sachverhalte verzerrt. Der Redakteur täuschte Leser und Kollegen in großem Umfang. Inzwischen hat Relotius die Lügengeschichten selbst gestanden.

Offenbar stützte Relotius seine Angaben auf andere Medien und schmückte diese aus. So entstanden falsche Biografien, erfundene Charaktercollagen sowie gefälschte Dialoge und Zitate. Aufgedeckt wurde der Fake-News-Skandal als einem Co-Autor Unstimmigkeiten in einer gemeinsamen Story auffielen. Er recherchierte, suchte das Gespräch mit der Redaktion, lief dabei gegen viele Widerstände aber deckte schließlich auf, dass Unstimmigkeiten in Relotius’ Reportagen keine Ausnahme waren.

Schließlich gestand Relotius und der SPIEGEL offenbarte die Fakten: Manche Geschichten seien nach Relotius‘ Angaben sauber recherchiert und frei von Zudichtungen, andere aber komplett erfunden, und wieder andere wenigstens aufgehübscht mit frisierten Zitaten und sonstiger Tatsachenfantasie, so der SPIEGEL in einem bekennenden Artikel. Relotius gab auch zu, warum er das gemacht hatte. Während seines Geständnisses sagte der Redakteur wörtlich: “Es ging nicht um das nächste große Ding. Es war die Angst vor dem Scheitern.” Und “mein Druck, nicht scheitern zu dürfen, wurde immer größer, je erfolgreicher ich wurde.”

Nach eigenen Angaben wird der SPIEGEL eine Kommission einberufen, die allen Hinweisen auf Manipulation nachgehen soll und ihre Ergebnisse öffentlich dokumentieren werde. Um Neutralität zu wahren, soll die Kommission sowohl mit erfahrenen internen also auch externen Kollegen besetzt werden.

Medienjournalist Stefan Niggemeier erklärte gegenüber dem SWR, es sei allerdings auch wichtig, interne Versäumnisse aufzuarbeiten, die Manipulationen möglicherweise begünstigt hätten. Momentan habe er noch etwas das Gefühl, die Schonungslosigkeit betreffe vor allem den Journalisten, dessen Verhalten jetzt verurteilt werde.

Der Medienwissenschaftler Horst Röper lobte gegenüber dem HR das Vorgehen des SPIEGELs als vorbildlich. Der transparente Umgang mit dem Betrug sei absolut richtig und notwendig.