Grippe verbreitet sich rasant – Impfstoff geht aus

Das Robert-Koch-Institut warnt vor einer neuen Influenza-Welle und meldet fast 10.000 Neuansteckungen in einer Woche. Auch die Zahl der Todesopfer steigt. Ärzte raten zu Impfungen, doch das ist gar nicht so einfach.

Das Robert-Koch-Institut warnt vor einer neuen Influenza-Welle. Dass die Grippe-Saison bisher besonders glimpflich verlaufen ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grippe-Welle jetzt erst richtig beginnt. Ärzte raten, sich jetzt noch impfen zu lassen. „Es lohnt sich auf jeden Fall auch jetzt noch. Nach zwei Wochen hat sich der Impfschutz dann aufgebaut, und erfahrungsgemäß ist der Höhepunkt der jährlichen Grippewelle im Februar und März“, sagte Dr. Gunter Hauptmann, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes, auf Anfrage der Saarbrückener Zeitung.

In diesem Winter erfolgt die Grippeschutzimpfung mit einem Vierfachimpfstoff. Das Robert-Koch-Institut rät insbesondere Menschen über 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken und medizinischem Personal zu einer Grippeimpfung. Doch der Impfstoff ist vielerorts knapp.

„Um diese Jahreszeit ist es normal, dass der Impfstoff knapp ist“, erklärt eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), dem für Impfstoffe zuständigen Bundesinstitut. Allerdings sei der Impfstoff schon seit Wochen rar, klärt die Süddeutsche auf. Nach Recherchen der Zeitung ständen viele Patienten seit Dezember bei ihren Hausärzten auf der Warteliste. In Thüringen fehlte demnach im Dezember der für rund 20 000 Menschen bestellte Impfstoff. Auch in Berlin, Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern gab es Engpässe. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern schätzte Ende des Jahres 2018, dass eine Diskrepanz von „Faktor 10“ zwischen Nachfrage und Angebot liege. Am 23. November stellte das Bundesgesundheitsministerium offiziell einen Versorgungsmangel fest. Die Regierung erleichterte daher Importe aus dem Ausland, beispielsweise aus Frankreich oder der Schweiz.

Der Grund für den Engpass: Der diesjährige Impfwillen der Deutschen überraschte die Ärzte. Da der Impfstoff immer Monate im Voraus bestellt werden muss, kann er nicht spontan nachgeliefert werden. Wer sich noch impfen lassen möchte, sollte sich also beeilen.

Laut Stern-Analyse, bezugnehmend auf die Arbeitsgemeinschaft Influenza, wurden seit Oktober 20.100 bestätigte Grippefälle und 49 Todesfälle gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, weil nicht jede Grippe beim Arzt abgeklärt wird.

Nicht zu verwechseln ist die echte Grippe mit einer Erkältung oder dem sogenannten grippalen Infekt. Die Influenza-Erkrankung tritt plötzlich auf, mit heftigen Beschwerden wie trockener Reizhusten, starke Abgeschlagenheit und Schmerzen im ganzen Körper, begleitet von hohem Fieber. Grippale Infekte verlaufen schleichender und milder.