Juncker verspricht: Zeitumstellung wird abgeschafft

In einer Europa-Umfrage sprach sich eine große Mehrheit gegen die Zeitumstellung aus. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verspricht deshalb: Heute wird die Zeitumstellung abgeschafft.

Im ZDF-Interview versprach der Kommissionspräsident Juncker, sich für die Abschaffung der Zeitumstellung in der EU-Kommission einzusetzen. „Das werden wir heute beschließen“, sagte er mit Blick auf die laufende Kommissionsklausur. Es wäre sinnlos, die Menschen erst zu einem Thema zu befragen, und dann, wenn es einem nicht passe, dem nicht zu folgen. Jetzt seien die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament an der Reihe und am Ende werde die Abschaffung der Zeitumstellung „auch kommen“, betonte Jean-Claude Juncker.

Doch geht das einfach so? Wenn die EU-Kommission dies tatsächlich vorschlägt, müssten die Regierungen der Mitgliedsstaaten-Staaten gemeinsam mit dem EU-Parlament einen entsprechenden Beschluss fassen. Es könnte dann jedoch auch zu einem Uhrzeit-Chaos kommen, wenn die Länder unterschiedliche Entscheidungen treffen, ob bei ihnen künftig die Sommerzeit oder die Winterzeit dauerhaft gelte.

Junckers Vorstoß überrascht. Zuvor hatte nämlich Kommissionssprecher Margaritis Schinas betont, die Befragung sei „kein Referendum“. Sie sei „ein Element“, das die Kommission bei geplanten Empfehlungen zu der Frage in Betracht ziehen werde. Ein weiteres sei die Resolution des Europaparlaments vom vergangenen Februar. FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Theurer sprach hingegen von einem „klaren Handlungsauftrag an die EU-Kommission“. Er sagte, „dass 80 Prozent das halbjährliche Umstellen der Uhren ablehnen, ist ein klares Signal für die Abschaffung der Zeitumstellung.“

In der besagten Umfrage entschieden sich die Mehrheit der Teilnehmer für eine dauerhafte Sommerzeit als Regelung der Wahl. Allerdings wird bezweifelt, wie repräsentativ die Umfrage ist. Es wäre denkbar, dass vor allem Kritiker der Zeitumstellung an der Umfrage teilnahmen. Außerdem war die Online-Umfrage teilweise nicht erreichbar und die Mehrheit der Teilnehmer stammte aus einem einzigen Mitgliedsstaat: Deutschland.

Deutsche Konzerne sehen die Diskussion gelassen. Von der Lufthansa heißt es, „traditionell wechseln wir ja sowieso zum Zeitpunkt der jeweiligen Zeitumstellung unseren Flugplan – also Ende März und Ende Oktober“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Jachnow dem SPIEGEL. Die Systeme müssten ohnehin immer wieder an die Situation in den jeweiligen Ländern angepasst werden. Eine erneute Änderung, womöglich von Land zu Land variierend, bedeute zwar einen gewissen einmaligen Aufwand, dieser werde aber „sehr überschaubar“ sein. „Da in den Folgejahren keine Umstellung erforderlich sein wird, würde sich der Aufwand sogar reduzieren – auf die Jahre gerechnet.“