Kanzleramt prüft eine deutliche Verschärfung des Lockdowns

Aus Regierungskreisen wurde am Donnerstagabend verraten: Bundeskanzlerin Angela Merkel plant deutliche Verschärfungen des aktuellen Lockdowns. Das öffentliche Leben in Deutschland soll demnach bis mindestens Ende Februar auf Null herunterfahren.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung beunruhigt die Angst vor der Coronavirus-Mutation die Bundeskanzlerin so sehr, dass sie das öffentliche Leben in Deutschland noch weiter herunterfahren möchte. Schon in der kommenden Woche soll eine Ministerpräsidenten-Konferenz einberufen werden, um über neue, bundesweite Maßnahmen zu beraten.

Gemäß Bericht sei Merkel über die vollen Busse und Bahnen sehr besorgt. Daher prüfe das Kanzleramt in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsministerium, ob es möglich sei, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr bundesweit einzustellen. Verkehrsminister Andreas Scheuer sei damit beauftragt, die Konsequenzen für die Bevölkerung abzuwägen.

Aus einigen Ländern kommen außerdem Rufe nach einer Homeoffice-Pflicht und Ausgangssperren. Auch eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht, wie sie bereits in Bayern gilt, soll nächste Woche auf dem vorgezogenen Bund-Länder-Gipfel thematisiert werden.

Eine Quelle aus der Landesregierung Rheinland-Pfalz geht davon aus, dass der knallharte Lockdown bis Ende Februar geplant werde. „Es herrscht die blanke Angst wegen der Mutation“, zitiert die „Bild“ ihren Maulwurf im Kabinett. Erst vor zwei Tagen veröffentlichte die Zeitung Fotos, auf denen zu sehen ist, dass Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn sich mitten in der Nacht trafen. Das Blatt geht von einem geheimen Krisentreffen aus. Möglicherweise könne es dabei schon um die Corona-Lage und mögliche Verschärfungen gegangen sein.

Nicht nur die Corona-Mutation könnten die Regierungschefs zu drastischen Schritten veranlassen. Auch die Infektions- und Todeszahlen machen trotz Lockdown keine Hoffnung auf eine Verbesserung der Infektionslage. Anders als im Frühjahr scheint sich die Lage auch nach Wochen im Teil-Lockdown stetig zu verschärfen.

Auf Anfrage von „Focus Online“ erklärte Epidemiologe Ralf Reintjes, warum die Lage aktuell schwieriger sei als in der ersten Welle. Seiner Einschätzung nach sei schon die Ausgangssituation eine ganz andere. Im Frühjahr lag der Höhepunkt an täglichen Neuinfektionen bei 6.000. Heute werden täglich um die 25.000 neue Fälle registriert. „Die Wahrscheinlichkeit, dass einer meiner Kontakte infiziert ist, war im ersten Lockdown damit eher gering. Wenn mittlerweile fünf oder zehnmal so viele – je nachdem, wie hoch man die Dunkelziffer annimmt – Infizierte draußen herumlaufen, dann ist das Risiko heute um ein Vielfaches höher und es braucht nur ganz wenige Kontakte, um einer infizierten Person zu begegnen“, erklärt der Professor aus Hamburg.