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Kindeswohlgefährdung: Tagesmutter fesselt Kinder

Einer Tagesmutter in Jever wird vorgeworfen, ihre Pflegekinder zu misshandeln. Die Pflegestätte „Wichtelstube“ wurde jetzt geschlossen.

Der Frau wird Kindeswohlgefährdung vorgeworfen. Unter anderem soll die Tagesmutter zappelige Kinder mit einem Gürtel an Stühle gefesselt haben. Weitere Details sind noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Angeblich gingen seit Februar Beschwerden bei den zuständigen Behörden ein. Im Mai spitzten sich die Beschwerden dermaßen zu, dass endlich eine Reaktion erfolgte. Schließlich wurde die Wichtelstube in Jever geschlossen und der verantwortlichen Tagesmutter die Lizenz entzogen. Insgesamt drei Tagesmütter sollen dort gemeinsam gearbeitet haben. Die beiden anderen Tagesmütter dürfen unter Auflagen und in anderen Räumlichkeiten weiterhin Kinder betreuen.

Der NDR Niedersachsen erhielt Informationen, wonach dem Landkreis schon seit drei Jahren Beschwerden über die Tagespflegeeinrichtung vorlagen. Die Behörde behauptet jedoch erst seit Februar 2018 davon zu wissen. Daraufhin „wurden umgehend die erforderlichen Schritte zur Klärung der Situation getroffen“, teilte der Landkreis dem NDR mit. „Hierzu wurden unter anderem Gespräche mit den Tagespflegepersonen geführt und daraufhin erforderliche Maßnahmen, wie Verhaltensregeln und Verbote, den Tagespflegepersonen auferlegt.“

Kreisrätin Silke Vogelbusch erklärte dazu, dass die betreffende Tagesmutter die Räumlichkeiten nicht mehr nutzen darf und ihr die Erlaubnis zur Kindertagespflege entzogen wurde. In den letzten Monaten hätten die Behörden mit 10 Elternteilen über die Sachlage gesprochen, bis man sich schließlich zu diesem Schritt auf Grund von Kindeswohlgefährdung entschlossen habe.

Der Fall wirft erneut eine Debatte über die Qualität der Kleinkindbetreuung in Deutschland auf. Tagesmütter dürfen bis zu 5 Kinder gleichzeitig betreuen, obwohl sie keine ausgebildeten Erzieherinnen sind. Um Tagesmutter zu werden, ist lediglich ein mehrwöchentlicher Crashkurs notwendig. Ob bei dieser Schnellausbildung eine professionelle Betreuungsqualität gewährleistet werden kann, ist fragwürdig. Der Fall zeigt, dass die Behörden in einem solchen Fall nur sehr langsam reagieren können.

Aber auch in richtigen Kindertagesstätten mit ausgebildeten Erzieherinnen kommt es immer wieder zu fatalen Fehlhandlungen. Erst Anfang Mai standen vier Kita-Erzieherinnen aus Rheinland-Pfalz vor Gericht, weil sie Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen hatten. Die Schützlinge waren in Hochstühle gequetscht und gefesselt worden. Unter Androhung von drakonischen Strafen und mit Hilfe von Schlägen, wurden die Kinder gezwungen, ausgespucktes Essen wieder zu schlucken. Auch hier sollen unruhige Kinder an Stühle gefesselt worden sein.