Neue Details zum Absturz der Boeing 737 MAX-8 in Äthiopien

Immer mehr Indizien im Falle des Flugzeugabsturzes der Ethiopian Airlines Maschine am vergangenen Samstag deuten darauf hin, dass es Parallelen zum Absturz der Lion-Air Maschine im letzten Herbst gibt.

Neue Details bringen nun den Hersteller Boeing immer stärker in Bedrängnis. Bei beiden Abstürzen handelt es sich um Maschinen vom Typ Boeing 737 MAX-8. Bereits wenige Minuten nach dem Start sollen nach Information der „New York Times“ die ersten Notsignale vom Piloten der Ethiopian Airlines Maschine absetzt worden sein. Mit Panik in der Stimme habe er von Schwierigkeiten gesprochen und um eine sofortige Notlandung gebeten. Auch wurden ein starker Wellenflug durch die Fluglotsen registriert, die auf erhebliche Probleme hingewiesen haben müssen. Nach wenigen Minuten brach auch der Kontakt zwischen Pilot und Flugsicherung ab. Dadurch verdichtet sich der Verdacht, dass Boeing die Verantwortung zu tragen scheint.

Als erste Konsequenz wird die Auslieferung der Maschinen vom Typ 737 MAX ausgesetzt, wie der Hersteller am Donnerstag mitteilte. Währenddessen sollen französische Unfallexperten die Unglücksursache des Absturzes herausfinden. Am Donnerstag wurden der Stimmen-Rekorder und der Flugdatenschreiber der französischen Behörde zur Aufklärung von Flugunfällen (BEA) übergeben.

Wie aus Daten der Internetseite „FlightRadar24“ hervorgeht, sind mittlerweile alle Maschinen dieses Typs am Boden, die letzte dieser Art landete am Mittwochabend sicher im kanadischen Halifax.

Massiver Image-Schaden für Boeing

Neben dem finanziellen droht dem Hersteller für seinen bisherigen Hoffnungsträger auch noch ein logistischer Alptraum. Neben dem immensen Image-Schaden drohen Boeing nun auch Schadenersatzforderungen der betroffenen Airlines. Neuaufträge dürften künftig stark zurückgehen, meint Luftfahrtanalyst Wolfgang Donie von der NordLB in Hannover: „Insgesamt betrachtet, ist das ein einziges Desaster“. Und weiter sagte er: „Der Markt ist schwierig, es fehlt an Ersatzflugzeugen – das könnte schon zu Engpässen führen.“ Ein mehrmonatiges Flugverbot wird den US-Konzern aus seiner Sicht wohl nicht existenziell gefährden. „Boeing kann es verkraften, aber es dürfte sehr weh tun, je länger die Flugverbote andauern.“ Den bereits gefertigte neue Maschinen können nun nicht mehr ausgeliefert werden.

Insgesamt sind derzeit 350 Boeing-MAX-Flugzeuge ausgeliefert worden, weitere 4.600 stehen noch in den Auftragsbüchern des Unternehmens. Besonders die Lagerung von angelieferten Bauteilen bzw. nicht übergebene Flugzeuge dürften immer mehr zum Problem werden. „Boeing muss jetzt dringend klare Antworten liefern, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg, der von einem Einschnitt spricht. Er sieht einen Verstoß gegen den Grundkonsens der Fliegerei. „Der besteht ja darin, dass Weiterentwicklungen bewährter Modelle einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn bringen – und das hat die weltweite Luftfahrt in den vergangenen Jahren ja auch gut hinbekommen.“

Ungewöhnlich ist es daher, dass eine Flugzeugbezeichnung innerhalb kürzester Zeit so zu einem Synonym für Unzuverlässigkeit und Unsicherheit verkommt. Kinderkrankheiten bei Neuentwicklungen seien zu erwarten, aber die Boeing 737 gilt grundsätzlich als äußerst zuverlässiges Model.