Neue Gebührenregelung für EU-Telefonate und teure Ausnahmen

Ab heute werden Telefonate ins EU-Ausland gedeckelt. Doch Achtung, mit diesen Tricks können Telekommunikationsanbieter die Vorschriften umgehen.

Seit Dienstag 15. Mai 2019 sind die Gebühren für Telefonate ins EU-Ausland gedeckelt. Gemäß der heute in Kraft getretenen EU-Vorschriften dürfen Telefonate aus Deutschland ins EU-Ausland maximal 19 Cent pro Minute kosten und SMS dürfen höchsten mit 6 Cent zu Buche schlagen. Die Regelung gilt in den 28 EU-Ländern sowie in Zukunft auch für Island, Liechtenstein und Norwegen. Mobilfunk- und Telefonanbieter sind verpflichtet, ihre Kunden über die Änderung zu informieren.

Damit gehören „überteuerte Anrufe und SMS aus dem deutschen Netz ins EU-Ausland“ der Vergangenheit an, freut sich Susanne Blohm vom Bundesverband der Verbraucherzentrale. Sie begrüßt die EU-Vorschriften, weil Preise ihrer Meinung nach, unabhängig davon gelten müssen, ob ein Dienst im Inland erbracht wird oder Grenzen überschreitet.

Telefonieren durch Europa so billig wie nie
Mit den neuen Regeln setzt die EU ihre Bestrebungen fort, Telefonieren innerhalb Europas kostengünstiger zu gestalten. Im Juni 2017 wurden bereits Roaminggebühren für Telefonate, SMS und mobiles Surfen abgeschafft. Dies Zusatzgebühren fielen bis dahin an, wenn Urlauber aus dem Ausland in die Heimat anriefen. Seit sie abgeschafft sind, telefonieren und surfen Verbraucher im EU-Ausland zum Heimattarif.

Mit der heutigen Neuerung ist grenzüberschreitendes Telefonieren nun in beide Richtungen günstiger geworden: vom Ausland in die Heimat und von der Heimat ins Ausland. Man kann von einem Meilenstein für die Mobilität innerhalb der Europäischen Union sprechen.

Doch in diesem Sicherheitsgefühl liegt eine Tücke: Nicht alle europäischen Länder sind Teil der EU: Auf die Schweiz, die britischen Kanalinseln, die Isle of Man und Andorra haben die EU-Vorschriften keinen Einfluss.

Gebühren-Trick durch Inklusivminuten und Flatrate
Die meisten Verbraucher profitieren von den neuen Vorschriften. Es gibt jedoch Ausnahmen und Tücken, die man kennen sollte: Handynutzer die für ein vertraglich festgelegtes Kontingent für Telefonate ins Ausland monatlich Gebühren überweisen, zahlen jetzt unter Umständen mehr für ihre Auslands-Option, als es ab heute notwendig wäre. Es lohnt sich einen Blick in den Vertrag zu werfen und zu rechnen.

Neue Flatrates für Gespräche ins EU-Auslands dürften in Zukunft billiger werden. Doch wer schon abschätzen kann, wieviel er tatsächlich ins Ausland telefoniert, sollte nochmal nachrechnen: Unter Umständen ist der gedeckelte Minutenpreis jetzt billiger als die Flatrate.