Pfleger weiß, wie Mutante in Berliner Quarantäne-Klinik kam

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Corona-Mutante B.1.1.7 auch in Berlin ankommt. Mindestens 20 Patienten und Mitarbeiter in der Humboldt-Klinik sind infiziert – und ein Pfleger weiß auch, wie es dazu kam.
Das Haus in Berlin steht aktuell unter einer Komplett-Quarantäne und hat einen Aufnahmestopp für weitere Patienten verhangen. Ein Mitarbeiter der Klinikum spricht in einem Interview mit Focus Online offen darüber, wie das Drama begann, und warum es überhaupt dazu kam.

„Die Krankenwagen fuhren uns nicht mehr an. Es war plötzlich ruhig, fast gespenstisch“, erklärt er Pfleger, er anonym bleiben möchte. „Wir wussten, dass wir die Corona-Mutation im Haus hatten – und das war im Prinzip auch nichts Ungewöhnliches. Wir behandeln die meisten Corona-Fälle in Berlin. Da war es klar, dass es uns irgendwann trifft. Aber, dass sich die Mutation trotz aller Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen dann so rasant ausbreitet, damit hat keiner gerechnet“, resümiert der Pfleger.


Die Mutation im Humboldt-Klinikum wurde bereits am 14. Januar bestätigt. Den Ursprung soll sie auf Station 13.1 gehabt haben – einem speziellen Bereich für Innere Medizin und Kariologie.
Die Mitarbeiter der Klinik befinden sich seit Freitagabend in einer sogenannten Pendel-Quarantäne. Das bedeutet, dass sie ausschließlich zwischen ihrer Wohnung und der Klinik pendeln dürfen.
„Es ist eine weitreichende Entscheidung, die nur in enger Abstimmung mit Pandemie-Stab, Hygiene-Beauftragten und den Akteuren des Gesundheitsamtes Reinickendorf und des RKI getroffen werden konnte“, erklärt die Klinikleitung den Schritt.

Doch wer hat die Mutation überhaupt eingetragen? Offenbar handelte es sich dabei um gleich zwei Patienten. „Der eine wurde wegen Herzinsuffizienz eingeliefert, der andere wegen Nieren-Problemen. Nichts deutete auf Covid-19 und schon gar nicht auf die neue Mutation hin“, erklärt der Krankenpfleger im Interview.

Und genau das könnte auch das Problem sein: Alle Menschen, die Kontakt zu den beiden infizierten Patienten hatten, sind potenziell ebenfalls infiziert und haben wiederum Kontakt zu hunderten Menschen außerhalb. Eine Nachvollziehung ist kaum möglich.

Mittlerweile sind offenbar auch bei Angehörigen des Klinikpersonals erste Symptome aufgetreten. Die Klinikleitung selbst bestätigt, es sei „wahrscheinlich, dass täglich weitere Fälle mit der Virusvariante festgestellt werden und die Entwicklung der Zahlen sehr dynamisch bleibt“.

Das wahre Ausmaß der Situation kann bisher nicht eingeschätzt werden.