Probleme mit Arzneimittelfälschungen – Dieses neues System soll Medikamente sicherer machen

In seltenen Fällen gelangen sie in die Apotheke – wenn doch, können Sie größte Gesundheitsschäden bei den Patienten hervorrufen. Kriminelle verdienen mit gefälschten Medikamenten Millionen. Die EU will mit einem neuen Schutzsystem dagegen vorgehen.

Gefälschte Medikamente gegen Atembeschwerden, Hepatitis-C-Viren und Magenerkrankungen, illegale Viagra-Potenzmittel. Den Zollbehörden an den Grenzen gehen immer wieder Arzneimittelfälschungen ins Netz, die in den Pharmahandel gelangen sollen. Und auf dem Schwarzmarkt sind die Gewinnmargen teilweise größer als im Drogenhandel.

Neue Hürden sollen diese Praktiken nun erschweren, ein europaweites Schutzsystem startet am 9. Februar. Rezeptpflichtige Medikamente müssen dann spezielle Sicherheitsmerkmale aufweisen. Dazu gehört unter anderem ein Barcode, mit dem sich per Scan in der Apotheke die Echtheit überprüfen lässt. Ein Öffnungsschutz in Form eines Siegels soll garantieren, dass die Verpackung im Originalzustand ist.

750 Millionen verschreibungspflichtige Arzneimittelverpackungen werden in Deutschland jährlich ausgegeben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hält die Zahl der Fälschungen, die in den Umlauf bis in die Apotheke geraten für gering. In 2018 wurden lediglich 10 Verdachtsfälle gemeldet. Jedoch könnten etliche Verpackungen davon betroffen sein. Dies hätte bei Einnahme gravierende gesundheitliche Auswirkungen zur Folge, warnt die Behörde.

“Bei den Fälschungen handelte es sich meist um Originalware, die illegal umverpackt wurde oder um Originalware aus Diebstählen, die wieder in die legale Vertriebskette eingebracht wurde”, erklärt Maik Pommer, Sprecher am BfArM. Das größte Problem liegt im illegalen Handel, etwa über das Internet oder beim Schmuggel. 2018 zogen Zoll- und Polizeibehörden bei einer weltweiten Operation allein in Deutschland gut 1.200 Pakete aus dem Verkehr. Dabei wurden mehr als 100.000 Tabletten, Kapseln und Ampullen mit verbotenen Substanzen entdeckt.

Potenzmittel sind dabei besonders beliebt. 90.000 bis 100.000 Euro pro Kilogramm lassen sich auf dem Schwarzmarkt damit erzielen, wie das BKA schätzt. Bei Heroin sind es etwa 50.000 Euro. Illegaler Viagra-Wirkstoff kostet etwa 60 Euro pro Kilo, Heroin-Rohstoff liegt bei rund 7.000 Euro.

Deutschland vergleichsweise gering betroffen

Der Pharmabranche gingen durch Fälschungen rund 10 Mrd. Euro an Umsatz verloren. Gut eine Milliarde davon betraf deutsche Firmen, verbunden mit einem hohen Imageverlust. Aber auf Grund der strengen Regulierung im deutschen Pharmamarkt ist die Bundesrepublik wenig von Fälschungen betroffen. Ausschließlich amtlich zugelassene Medikamente kommen in den Umlauf. Die Herstellung, der Vertrieb und die Anwendung werden scharf überwacht und die Hersteller setzen bereits Sicherheitsmerkmale wie Hologramme und Mikroschriften auf den Verpackungen ein.

Taucht in Zukunft eine Fälschung auf, so gibt es in der Apotheke einen Alarm. Jede Packung hat künftig eine individuelle Seriennummer eingebaut, die in das System eingepflegt wird. Somit lassen sich europaweit Datenbanken prüfen, ob diese Nummer schon von einem Hersteller verwendet wurde oder ob eine Packung womöglich schon über die Theke gegangen ist.

Für dieses Projekt werden allein in Deutschland 19.345 Apotheken, 346 Pharmaunternehmen, 887 Großhändler und 406 Krankenhausapotheken eingebunden. Der Verein Securpharm, ein Zusammenschluss von Apotheken- und Pharmaverbänden koordiniert dieses Vorhaben. “Die Umsetzung der Fälschungsschutzrichtlinie gehört zu den größten Infrastrukturprojekten der Arzneimittelversorgung in Europa”, erklärte der Verein.

Am Ende kommen diese Maßnahmen dem Verbraucher zu Gute. Sie erhalten bei Verdachtsfällen in der Apotheke ein neues Medikament und durch das europaweite System lässt sich zurückverfolgen, wo das gefälschte Medikament in den Umlauf gelangte.