Robert-Koch-Institut will mit App gegen das Coronavirus vorgehen

Das Robert-Koch-Institut stellt eine neue App vor, die helfen soll, die Corona-Krise zu stoppen. Sie ist seit heute verfügbar. Virologe Christian Drosten hofft, dass der Lockdown beendet werden könnte, wenn eine solche App Erfolg hätte und weiterentwickelt würde.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stellte am Dienstag die „Corona-Datenspende“-App vor. Die kostenlose App soll Körperdaten mit Hilfe einer Smartwatch oder eines Fitnessarmbands erfassen und dem RKI übermitteln. Dadurch könnten schon milde Corona-Symptome schneller und effizienter erfasst und ausgewertet werden.

„Die App ersetzt keine Tests“, stellte Institutschef Lothar Wieler klar, sie würde aber helfen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse voranzutreiben. Die Teilnahme sei anonymisiert und freiwillig. Denkbar sei aber, dass durch die Angabe der Postleitzahl eine interaktive Karte entstehe, die potenzielle Risikogebiete aufzeige, weil sichtbar werde, wo sich viele Menschen mit entsprechenden Symptomen befänden. Wieler hofft auf eine Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Wissenschaftlern. Je mehr Menschen ihre Daten zur Verfügung stellten, desto präziser könnte die Auswertung werden.

Auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité befürwortete die Idee einer App zur Erfassung von Symptomen. Er äußerte sogar die Hoffnung, dass mit Hilfe einer solchen App, die Lockdown-Maßnahmen gelockert werden könnten. Drosten bezieht sich dabei auf eine Studie um den Forscher Christophe Fraser aus Oxford (Großbritannien). Jene Studie geht jedoch davon aus, dass die App einen Schritt weitergehe und sofort ein Diagnostikverfahren mit Testtermin auslöse und Kontaktpersonen warne, sobald die Körperdaten auf eine mögliche Infektion hindeuten.

Wenn eine solche App dazu genutzt würde, dass die Menschen, die potenzielle Virusträger sind, sofort zuhause blieben, könnten die Maßnahmen für alle anderen gelockert werden.

„Die essenzielle Information zu kommunizieren und die Zeit, die man dadurch gewinnt, würde tatsächlich fast das gleiche bringen wie ein richtiger Lockdown“, sagt Drosten. Allerdings könne dies nur funktionieren, wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung eine solche App nutzen würden und mehr als die Hälfte davon auch tatsächlich zu Hause blieben, sobald sie durch die App eine entsprechende Indikation erhielten. Oben genannte Studien seien demnach ein wahrer „Hoffnungsschimmer“, um aus den aktuellen Maßnahmen herauszufinden.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass knapp 50 Prozent der Deutschen bereit wären, eine solche App zu nutzen. Da die App des RKIs an die Nutzung einer Smartwatch oder eines Fitnessarmbands gekoppelt ist, hat sie derzeit das Potenzial zehn von über 80 Millionen Menschen in Deutschland zu erreichen.

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