Schock-Geständnis: Pfleger ermordete mindestens 100 Patienten

Ein Pfleger gesteht den Mord an 100 Patienten. Seine Beweggründe sind schockierend.

Niels H. hat sich der größten Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte schuldig gemacht. Bei den Tötungsdelikten dieses Krankenpflegers handelt es sich nicht um einen dieser Fälle, wo Pflegepersonal aus vermeintlichem Mitleid zu den falschen Methoden greift. Nein, nicht einmal Habgier oder Wut lenkte sein Handeln. Niels H. tötete aus Langeweile und weil er den Helden spielen wollte. So vermutet es zumindest die Staatsanwaltschaft.

Opfer wahllos ermordet
Niels H. stand schon mehrmals vor Gericht, dieses Mal legt er vor dem Landgericht Oldenburg ein Geständnis ab und bekennt sich zu 100 Morden. Ihm wird zur Last gelegt zwischen den Jahren 2000 und 2005 in Krankenhäusern in Delmenhorst und Oldenburg in Niedersachsen mindestens 100 Patienten durch eine Todesspritze ermordet zu haben. Seine Opfer suchte er sich wahllos, sie waren zwischen 34 und 96 Jahre alt, lagen auf der Intensivstation und waren seinen Taten hilflos ausgeliefert. Niels H. spritzte den Patienten ein Herzmedikament und löste Herz-Kreislauf-Stillstände aus. Viele starben in Folge der Injektion.

Klinik-Todesrate hatte sich mehr als verdoppelt
Die Taten seien aus niederen Beweggründen und heimtückisch begangen worden, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann zum Auftakt der Verhandlung. Als Motiv hatte H. Unterforderung im klinischen Alltag angegeben. Kranke wieder zu beleben, gab ihm offenbar den Kick, den er vermisste. In vorherigen Prozessen hatten Zeugen ausgesagt, dass es in den Schichten des Angeklagten auffällig häufig zu Wiederbelebungsmaßnahmen kam. Als die Auffälligkeiten erstmals thematisiert wurden, meldete H. sich krank und wechselte schließlich die Klinik. Die Todesrate des Klinikums Delmenhorst hatte sich während der zweieinhalb Jahre in denen Niels H. dort tätig war, mehr als verdoppelt. Statt 200 starben 411 Menschen. Über 300 davon, während der Schichten des Angeklagten. Auch ein erhöhter Verbrauch der Herzmedikamente war in beiden Krankenhäusern aufgefallen. 2002 ertappte eine Schwester ihn schließlich auf frischer Tat.

Niels H. stand bereits zweimal vor Gericht. Seit 2008 verbüßt er eine lebenslange Haftstrafe für mehrere Morde. Doch damals war das Ausmaß seiner Taten noch nicht bekannt. 2014 deckte eine Sonderkommission unter dem Titel „Kardio“ Dutzende weitere Morde auf. Angehörige der Opfer drängten zu weiteren Untersuchungen. Schließlich führt ein Geständnis zur Feststellung von 100 Mordfällen. Allerdings kann H. sich selbst nicht mehr genau an alle Taten erinnern.