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Wer ist schuld am Brücken-Unglück von Genua?

Nach dem dramatischen Einsturz der Autobahnbrücke in Genua, wird die Frage immer lauter: „Wie kann so etwas passieren?“ Die privaten Autobahnbetreiber und europäische Politik stehen am Pranger.

Die italienische Regierung hat nach dem Unglück schnell reagiert. Die Hafenstadt wurde unter 12-monatigen Ausnahmezustand gestellt. Außerdem sicherte die Regierung fünf Millionen Euro Soforthilfen aus einem nationalen Notfallfonds zu.

Während Italiens Vizepremier Matteo Salvini die EU für das Unglück mitverantwortlich machte, weil sie Italien zum sparen zwingen würde, sieht Ministerpräsident Giuseppe Conte die Schuld bei den Autobahnbetreibern und drohte an, diesen die Lizenz zu entziehen. “Die Verantwortlichen haben einen Namen und einen Vornamen und es sind Autostrade per l’Italia”, sagte Vize-Ministerpräsident Luigi di Maio im italienischen Radio. Verkehrs- und Infrastrukturminister Danilo Toninelli forderte die Führung von Autostrada zum Rücktritt auf. Die Regierung prüfe außerdem die Möglichkeit 150 Millionen Euro Strafgelder einzufordern.

Wenn Italiens Regierung Autostrada wirklich die Lizenz entzieht, stehen dem Brückenbetreiber Ausgleichszahlungen zu. Dennoch spürt das Unternehmen bereits jetzt Konsequenzen. Autostrada gehört zum internationalen Mautstraßenbetreiber Atlantia aus der Benetton-Familie und dessen Aktien verloren am Donnerstag schlagartig an Wert.

Vizepremier Matteo Salvini erklärte seine Vorwürfe gegen die EU: “Immer muss man um Erlaubnis fragen, um Geld auszugeben” Davon dürfe aber nicht die Sicherheit auf den Straßen, bei der Arbeit und in den Schulen, “in denen immer mal wieder die Decken einstürzen”, abhängen. Ein Sprecher der EU-Kommission wies die Vorwürfe zurück. EU-Staaten würden im Rahmen der geltenden Budgetregeln selbst festlegen, wofür sie Geld investieren. Außerdem hätte die Europäische Union Italien in der Vergangenheit dazu ermutig, mehr in die Entwicklung und den Erhalt der Infrastruktur zu investieren.

Die Morandi-Brücke wurde vor 50 Jahren eingeweiht. Sie gehört zur sogenannten Blumenautobahn der A10, die zahlreiche Touristen an der italienischen Riviera zu ihren Zielen bringt. Die Autobahnbrücke war das Verbindungstück zwischen Genua und Ventimiglia an der französischen Grenze. Auch in Deutschland stammen zahlreiche Brücken aus der selben Bauzeit. „Ein Drittel davon ist instandsetzungsbedürftig, wobei wir ein Gefälle von Ost nach West haben. Das liegt an den Neubaumaßnahmen nach der Deutschen Einheit. Die Brücken im Osten sind besser als im Westen.“ sagte Martin Mertens, Ingenieur für Brückenbau an der Universität Bochum im ARD-Interview.