Wie Reiche sich in die EU einkaufen – Ein Milliardengeschäft

Griechische Visa-Dealer werben mit dem Goldenen Visa, dem „Schlüssel, der das Tor zu den Schengen-Staaten öffnet“. Wer Geld hat, umgeht die „lästigen“ Asyl-Verfahren der EU einfach und kauft sich den EU-Pass samt Weiterreiserecht durch den Schengen-Raum – inklusive Deutschland.

Investoren-Programme sind in vielen Staaten gängige Praxis: Wer nennenswerte Summen in ein Land investiert, bekommt die Aufenthaltsgenehmigung gleich dazu. In Griechenland richtete sich das Programm für Nicht-EU-Ausländer bisher an Investoren, die mindestens 250.000 Euro in eine Firmenbeteiligung oder Immobilie investierten. Doch die griechische Regierung möchte das Programm noch erweitern: Zukünftig erhalten Ausländer gegen Geldtransfers eine fünfjährige Aufenthaltsgenehmigung. Wer 400.000 Euro auf einer griechischen Bank deponiert, in griechische Aktien oder Hellas-Bonds investiert, erhält das Goldene Visum.

Nach Informationen des „Handesblatt“s hat die Investitionsförderungsagentur „Enterprise Greece“ binnen 4 Jahren 5246 Investoren an Land gezogen. Griechenland hat für die finanzstarken Interessenten und deren Familien 12.463 Visa vergeben. Knapp die Hälfte der Investoren stammen aus China, ca. 900 aus Russland und etwas mehr als 500 aus der Türkei. Die Zahlen werden höchstwahrscheinlich steigen. Laut Agentur-Vorstand gingen derzeit pro Tag 50 Anträge für „Goldene Visa“ ein.

Auch andere EU-Länder bringen durch Investoren-Programme Geld und Menschen in die Europäische Union. Portugiesische Immobilien bringen ab 500.000 Euro den europäischen Stempel mit sich, Malta-Investitionen ab 650.000 Euro. Die Staatsangehörigkeit lässt sich wenige Jahre später beantragen. Portugal vergibt sie nach sechs Jahren, Griechenland nach sieben, Spanien nach 10 Jahren treuer Investition ins Land.

Das Visa-Geschäft lockt nicht nur rechtschaffende Geschäftsleute mit dem Traum von der europäischen Freiheit an. Immer wieder werden Geldwäsche-Geschäfte und fragwürdige Pass-Ausstellungen aufgedeckt. Woher das investierte Geld kommt, wird oft nur unzureichend geprüft. Die Investitionen öffnen Tür und Tor um illegal erworbene Gelder in Euro zu investieren und helfen dank EU-Pass auch noch dabei, sich vor der heimischen Justiz zu verstecken.

Über die Goldenen Visa wird deshalb immer wieder im Europäischen Parlament diskutiert: Die niederländische Europa-Abgeordnete Sophie in ’t Veld beklagte eine Doppelmoral: „Jene, die hierher kommen um zu arbeiten, werden wie Kriminelle behandelt, und jene, die ihr Geld bei uns parken wollen, wie Könige.“

Zypern hat bereits auf die Kritik aus Brüssel reagiert und die Passvergabe auf 700 pro Jahr limitiert. Der Inselstaat vergibt Sofort-EU-Pässe gegen millionenschwere Investitionen in Immobilien, zyprische Unternehmen oder Staatsanleihen und lockt damit überwiegend russische Oligarchen ins Land.