Klimaaktivistin Neubauer fühlte sich von Merkel „depolitisiert“

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer will speziell die Union zu mehr konkreten Maßnahmen im Klimaschutz drängen. Neubauer hält es für wahrscheinlich, dass CDU und CSU an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein werden. "Es gibt in der Union keine Mehrheit für notwendigen Klimaschutz", sagte Neubauer der FAZ. Das zeige das Wahlprogramm.

Ziel sei es nun, Druck aufzubauen. "In der Wählerschaft von CDU/CSU gibt es eine Mehrheit für Klimaschutzmaßnahmen sehr wohl." Eine Wunschkoalition hat Neubauer nicht. "Der Fokus auf die Parteienfarben ist nicht entscheidend. Wir werden so viel verändern müssen in so kurzer Zeit, da stehen ganz neue Fragen im Raum. Wie funktioniert eine Politik, die der Größe und der Geschwindigkeit der Klimakrise standhalten kann? Dafür wird es die Größe und die Kreativität aller Parteien brauchen." Die Idee, dass Fridays for Future eine Art Vorfeldorganisation der Grünen seien, entstamme dem "Gedanken, dass die Grünen die Alleinbeauftragten des Pariser Abkommens sind", so Neubauer. "Das ist die Komplettüberschätzung einer einzigen Partei und auch eine Missinterpretation der Lage. Solange Klimaschutzpolitik outgesorced wird an eine einzelne Oppositionspartei, geht es nicht auf. Klimaschutz nimmt jeden in die Pflicht." Zur Debatte über die Grünen als Verbotspartei sagte Neubauer: "Das Einprügeln auf die Grünen wird nicht mehr lange aufgehen", so die Klimaaktivistin. "Viele andere Parteien sind gut damit weggekommen, die Vorschläge der Grünen zu kritisieren ohne eigene zu machen." Die größten Sorgen der Deutschen seien Klima und Naturschutz. "Auch wenn man liberalen oder konservativen Klimaschutz macht, geht es im Endeffekt darum, weniger Emissionen auszustoßen. Man kann sich das nicht schönrechnen. Herr Laschet kann sagen, mit uns gibt es auf keinen Fall ein Tempolimit. Dann muss er auch erklären, wie er die notwendigen Emissionen anders einsparen will. Sollen weniger Autos fahren, aber dafür mit hohem Tempo?" Neubauer sagte der FAZ auch, dass die Kanzlerschaft Angela Merkels sie geprägt habe. "Frau Merkel hat mich wie vielleicht einige meiner Generation depolitisiert, weil man dachte, alles wird schon gut werden", sagte Neubauer. Es habe gedauert, bis Neubauer gemerkt habe, "dass man die Klimakrise nicht im Griff hat".

Foto: Luisa Neubauer, über dts Nachrichtenagentur

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Ein Kommentar

  1. Die notwendigen Umstellungen erfordern ein baldiges und rasches Handeln. Denn der Klimawandel wird uns die Zeit nicht geben, die wir gerne noch hätten. Zudem scheinen die Veränderungen in der Natur sich sogar noch zu beschleunigen. Ein Blick auf und in unsere Wälder genügt, um den rasch fortschreitenden Zerfall zu erkennen. Und wie bei einer Kette reißt ein sterbendes Glied das andere mit. Sind die Wälder erst einmal tot, haben Stürme und Wasser leichtes Spiel. Einst fruchtbare Böden gehen durch Erosion verloren. Fehlende Wälder, die einst Wasser gespeichert, Kohlendioxid abgebaut und das Klima stabilisiert hatten, erfüllen diese Funktionen nicht mehr. Die Lichtungen werden immer größer werden, bis eines Tages nur noch nackte, felsige und steinige Hügel die Landschaft säumen. Sie brauchen nur nach Südeuropa zu reisen um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es voraussichtlich sein wird. Doch sind diese Veränderungen nicht lokal begrenzt. Der Wandel einer Region beeinflusst den Wandel in den benachbarten Regionen gleich mit bis hin zum globalen Ausmaß. Und die Menschen denken wirklich noch, sie hätten alles unter Kontrolle. Eine Einstellung mit fatalen Konsequenzen.

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