Greenpeace und Schattenflotte stoßen aufeinander vor Fehmarn

Die Ostsee wird zunehmend zum Schauplatz, an dem die schwelenden Konflikte zwischen der EU und Russland am meisten zum Vorschein kommen. Während die malerischen Küsten in Deutschland und den skandinavischen Ländern zu den beliebtesten Urlaubsparadiesen gehören, nutzt Russland die Gewässer der Ostsee, um Rohöl und Chemikalien in uralten, schrottreifen Tankschiffen in die ganze Welt zu transportieren.

Mehrere der Schiffe stehen auf der Sanktionsliste der EU, ohne dass sie jemals gestoppt werden. Allerdings verstärken mehrere Ostsee- und Nordseeländer seit geraumer Zeit ihre militärische Präsenz in den Fahrwassern ihrer respektiven Küsten und drängen damit die Russen zunehmend in Richtung Deutschland. Während die deutsche Regierung und die Bundeswehr sich bisher wenig um die erhöhte Präsenz der russischen Schattenflotten vor deutschen Städten und Küstenstreifen bekümmern, sind die rostigen Riesen ein Dorn im Auge der Naturschützer. Gestern kam es zu einer gefährlichen Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der Umweltorganisation Greenpeace und der Besatzung der russischen Fregatte Soobrazitelny, die eines der schrottreifen und sanktionierten Schattenflotte-Schiffe begleitet. 

Russisches Kriegsschiff zum Schutz 

Am gestrigen Dienstag fuhren mehrere Schlauchboote der Umweltorganisation mit Bannern in Richtung des russischen Tankers Kira K, um gegen die Schattenflotte und die Gefährdung, die von den altertümlichen Rostgiganten ausgeht, zu protestieren. Dabei wurde ein russisches Kriegsschiff alarmiert, das sich zum Schutz des Tankers in der Nähe aufhielt. Laut Augenzeugenberichten soll sich die Fregatte Soobrazitelny daraufhin mit hoher Geschwindigkeit bedrohlich den Schlauchbooten genähert haben, um die Aktivisten durch Lautsprecher mit den Worten „Hier spricht das russische Kriegsschiff 531, halten Sie Abstand!“ zur Umkehr zu zwingen. In der Zwischenzeit erschien auch die Bayreuth, ein Schiff der Bundespolizei, auf der Bildfläche und forderte die Demonstranten dazu auf, sich von dem Tanker zu entfernen. 

Keine Maßnahmen von deutscher Seite 

Laut Angaben von Greenpeace sollen zwischen dem 6. März und dem 16. Juni 42 russischen Schattenflotte-Schiffe entlang der deutschen Küste bewegt haben. Im vergangenen Jahr befand sich im gleichen Zeitraum kein einziges russisches Schiff im gleichen Bereich an der deutschen Küste. Das Bundesfinanzministerium und die Bundespolizei seien informiert worden, hätten aber bisher keine Maßnahmen unternommen. Das Bundesfinanzministerium verweist in einer Stellungnahme auf die Zwölf-Meilen-Zone des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen, die das Recht auf friedliche Durchfahrt verankert. Über mögliche zukünftige Maßnahmen gegen die Schattenflotte wollen sowohl das Ministerium als auch die Bundespolizei aus sicherheits- und einsatztaktischen Gründen keine Auskünfte geben.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Social
Alexander Grünstedt