Deutscher Paket-Riese muss Insolvenz anmelden: Was das für Verbraucher bedeutet

Eine Insolvenz schockiert derzeit Deutschland: Eine Branche, die man für sicher gehalten hätte, könnte eines ihrer größten Unternehmen verlieren. Was das für Verbraucher bedeutet.

So sehr die Kommunikation per E-Mail und Messenger mittlerweile auch zu unserem Alltag gehört, kann sie doch nicht den gesamten Brief- und Paketversand ersetzen. Brief- und Paketdienstleister werden immer gebraucht werden. Umso schockierender ist daher die Nachricht von der Insolvenz eines der Giganten der Branche.

Größter Konkurrent der Deutschen Post meldet Insolvenz
Der Deutsche Versand Service (DVS), der größte Konkurrent der Deutschen Post, befindet sich in einer schweren finanziellen Notlage. Und er ist sich sicher, wo die Schuld liegt: Nicht so sehr in der Situation nach der Pandemie und offenbar auch nicht beim Unternehmen selbst, sondern im Verhalten von DHL.

DVS ist der Ansicht, dass ein Großteil der aktuellen Schwierigkeiten des Unternehmens und seiner Tochtergesellschaft Xendis auf Wettbewerbsverzerrungen zugunsten der Deutschen Post zurückzuführen ist. Hintergrund ist, dass die Deutsche Post aufgrund eines 2024 verabschiedeten neuen Gesetzes ihren Kunden Großsendungen ohne Mehrwertsteuer anbieten konnte. Obwohl dies später auch auf andere Briefzusteller ausgeweitet wurde, war das Verfahren recht kompliziert, sodass nur wenige davon profitieren konnten.

DVS verklagt die Deutsche Post auf über eine Milliarde Euro
In der Folge verklagt DVS über seine separate Tochtergesellschaft DVS Holdings die Deutsche Post auf 1,1 Milliarden Euro Schadenersatz für entgangene Aufträge. Ob die Klage Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Erste Anzeichen deuten laut einem Bericht der WirtschaftsWoche (WiWo) darauf hin, dass das Gericht zustimmen könnte, dass die Deutsche Post ihre Quasi-Monopolstellung in der Tat illegal missbraucht hat.

Sicherlich sehen das auch andere in der Branche so. Wie ein Unternehmer es ausdrückt: „Dass ein über Jahre wirtschaftlich gesundes Unternehmen in Insolvenz gehen muss, ist kein Ausdruck unternehmerischen Scheiterns, sondern das Ergebnis staatlicher Rahmenbedingungen.“

Schwerwiegende Auswirkungen auf Lieferungen in Deutschland?
Was ebenfalls Sorge bereitet: DVS hat einen Marktanteil von 30 Prozent. Sollte das Unternehmen untergehen, droht ohne sein Briefvolumen das Aus für den alternativen Zustellmarkt. Und damit, so WiWo, mittelfristig möglicherweise auch das Ende der Zeitschriften- und Zeitungszustellung in Deutschland.

Wie am Dienstag bekannt wurde, hat DVS einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der Geschäftsbetrieb soll wie gewohnt weiterlaufen. Für Michael Mews, den Geschäftsführer von DVS, hat die Sanierung des Unternehmens nun höchste Priorität.

Was den Rechtsstreit gegen die Deutsche Post angeht, würde ein Sieg der DVS in dieser Sache einen Sieg für alle anderen Wettbewerber der Branche bedeuten. Was eine Verurteilung zur Zahlung von einer Milliarde Euro Schadensersatz für die Deutsche Post bedeuten würde und vor allem, woher das Geld kommen soll, ist eine andere Frage.

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Oskar Herbert