

Damit hätte niemand gerechnet: In Geschäften, in Restaurants und an Bahnhöfen – kurz gesagt, überall wird das Schild „Hier nur Kartenzahlung“ bald der Vergangenheit angehören.
Da Länder wie Schweden mit gutem Beispiel vorangingen, schien Deutschland, wie so viele europäische Nationen, entschlossen, die Bargeldlosigkeit als Teil seiner Zukunft zu akzeptieren. Verkehrsbetriebe in mehreren Großstädten stellten auf ausschließlich elektronische Zahlungsmittel um, ebenso wie zahlreiche Geschäfte und einige Freibäder. Für diese Vorreiter ist nun mit einer Ankündigung der EU ein unerwarteter Schlag gekommen.
Neue Bargeldannahmepflicht
Bargeld wird bald wieder überall akzeptiert: Als Teil eines gerade vom EU-Parlament verabschiedeten Gesetzespakets wird die Bargeldannahme EU-weit verpflichtend. Interessanterweise enthält dasselbe Paket, wie die BILD schreibt, auch die Einführung des digitalen Euro – eine wichtige digitale Zahlungsoption der Zukunft.
Die Mitgliedstaaten müssen dem Paket zwar noch zustimmen, doch wird dies als reine Formalität angesehen, die im September erfolgen wird. Die Einführung des digitalen Euro ist dann für Januar 2029 geplant. Ein Datum für die Bargeldannahmepflicht wurde bislang noch nicht genannt.
Einige Ausnahmen sollen bleiben
Es soll einige Ausnahmen geben, bei denen „nur Kartenzahlung oder elektronische Zahlung“ zulässig ist:
– Wenn – aufgrund außergewöhnlicher Umstände – nicht genügend Wechselgeld verfügbar ist
– An Automaten wie Selbstbedienungstankstellen und Ladestationen
– Wenn Barzahlung aufgrund der Art oder des Wertes des Kaufs gesetzlich verboten ist.
Zumindest wird es aber zum Beispiel wieder möglich sein, Bustickets mit Bargeld zu kaufen. Allerdings werden generell Beschränkungen hinsichtlich der Anzahl der Münzen gelten, die ein Händler annehmen muss, wie beispielsweise eine Höchstzahl von 50 Münzen pro Zahlung. Bemerkenswert ist auch, dass, obwohl in der Vergangenheit darauf hingewiesen wurde, dass die Annahme von Bargeld für Unternehmen mit einem höheren Aufwand verbunden ist, diese keine zusätzlichen Gebühren für Bargeldtransaktionen erheben dürfen.
Bargeld ist Teil der Krisenvorsorge
Die EU begründet den Schritt mit der Krisenvorsorge: Im Falle eines Stromausfalls, eines Cyberangriffs oder einer Naturkatastrophe muss Bargeld als Zahlungsmittel erhalten bleiben. Zudem möchte die EU nach eigenen Angaben die Möglichkeit zur Barzahlung aufrechterhalten, um niemanden in der Bevölkerung zu benachteiligen, beispielsweise ältere Menschen, die sich mit Kartenzahlungen möglicherweise nicht wohlfühlen. Auf jeden Fall ist die neue Pflicht zur Bargeldannahme sicherlich eine Erleichterung für diejenigen, die seit einiger Zeit befürchtet haben, dass Bargeld als Zahlungsmittel gänzlich verschwinden könnte.