

Der Krieg gegen die Ukraine verlegt sich zunehmend nach Russland, und sogar die Moskauer Zivilbevölkerung hat im Laufe der letzten Woche einen Geschmack von den Kriegshandlungen bekommen. Ukrainische Drohnen dringen nicht nur tief ins Herz der Stadt ein, sondern haben auch im Laufe der letzten zwei Tage die gesamte russische Ölproduktion zum Stillstand gebracht. Die russische Bevölkerung zeigt sich empört und verlangt ein Ende des Kriegs. Allerdings hat Putin offensichtlich keine Pläne, dieses Ende über Friedensverhandlungen zu erreichen. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj planen die Russen jetzt, eine weitere Front zu eröffnen und die Ukraine von einer neuen Richtung aus anzugreifen. Laut Informationen des ukrainischen Geheimdienstes gehen schon seit Tagen große Truppenverlegungen im Grenzgebiet zwischen der Ukraine und Belarus vor.
Truppenübung als Vorwand
Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko ist einer der engsten Verbündeten des russischen Präsidenten Putin, den er als seinen politischen Ziehvater betrachtet. Die Ukraine beschuldigt Belarus seit geraumer Zeit, russische Raketen- und Drohnenangriffe von belarussischen Gebieten aus zu ermöglichen. Mit den russisch-belarussischen Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze eskaliert die Lage, und auch die Ukraine hat nach Angaben von Selenskyj jetzt Streitkräfte an die Grenze zu Belarus verlegt. Russland und Belarus hatten bereits am Beginn der Woche bekannt gegeben, dass die beiden Länder zurzeit gemeinsame Truppenübungen vornehmen, die angeblich der Abschreckung dienen sollen. Gleichzeitig beschwert sich nicht nur die Ukraine über regelmäßige Angriffe von belarussischer Seite.
Vermehrt Vorfälle im Baltikum
Auch im Baltikum erhöht sich die Alarmbereitschaft, nachdem verstärkt Drohnen von Belarus aus über die Landesgrenzen nach Estland, Lettland und Litauen eindringen. Noch vor zwei Tagen musste die Bevölkerung in Vilnius und das litauische Parlament in Luftschutzbunker evakuiert werden, nachdem eine Drohne von belarussischem Gebiet aus in die Hauptstadt des Landes eingedrungen war. Bisher ist nicht bekannt, ob es sich bei der Drohne um ein russisches oder ukrainisches Luftfahrzeug gehandelt hat. Russland ist es in der letzten Zeit gelungen, ukrainische Drohnen, die auf russische Ziele angesetzt waren, ins Baltikum umzuleiten. Eine weitere Drohne über Estland wurde von der rumänischen Luftwaffe abgeschossen.