„Amerikanische Präsidenten kommen und gehen“: Selenskyj hat genug von Trump

Beste Freunde waren sie nie, und der amerikanische Präsident Donald Trump hatte gleich zu Beginn seiner Amtszeit vor einem Jahr klargemacht, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein kriegszerrüttetes Heimatland mit weit weniger Hilfe aus den Vereinigten Staaten rechnen müssen als unter dem vorherigen Präsidenten Joe Biden. Trump hatte immerhin den ersten Wahlsieg im Jahr 2016 einer massiven Kampagne von Fehlinformationen und Lügen seitens Putin und russischer Hacker zu verdanken.  

Seither hat Trump seine Meinung über die Ukraine öfter gewechselt als manche Menschen die Unterwäsche. Unzählige Friedensverhandlungen, die zu nichts führen und nur Zeit und Energie stehlen, hinterlassen jetzt ihren Zoll bei dem ukrainischen Präsidenten. In einem Gespräch mit dem britischen Staatssender BBC am Wochenende ließ er einige Bemerkungen über den amerikanischen Präsidenten fallen, die bei Trump nicht in den Geschmack fallen dürften.

Nur von geringer Bedeutung

Das Gespräch fand in einem Regierungsgebäude in Kiew statt und wurde von dem britischen Auslandskorrespondenten und Redakteur Jeremy Bowen geführt.  Auf die Frage Bowens, wie der ukrainische Präsident die Verlässlichkeit des amerikanischen Präsidenten einschätze, antwortete Selenskyj: „Es geht nicht nur um Präsident Trump, wir reden von Amerika.“  Im Weiteren wies er darauf hin, dass Trump nur noch ein paar Jahre Präsident sein wird und es deshalb nur eine kleine Rolle spielt, welche Entscheidungen er trifft und wie oft er seine Meinung ändert. „Wir alle sind für eine angemessene Zeit Präsidenten. Wir wollen beispielsweise Garantien für 30 Jahre. Die politischen Eliten werden künftig andere sein, die Anführer werden andere sein.“ Dabei gibt er unverhohlen seine Hoffnung zum Ausdruck, dass in Zukunft die weit weniger Putin-freundlichen Demokraten wieder die amerikanische Politik dominieren werden. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass das amerikanische Unterhaus, der Kongress, eine größere Bedeutung für die Ukraine hat als Trump: „Präsidenten kommen und gehen, aber Institutionen bleiben.“ 

Der Dritte Weltkrieg hat begonnen 

Weit größere Bedeutung als Trump gibt der Ukrainer seinem russischen Widersacher und Todfeind Wladimir Putin, der seiner Meinung nach den 3. Weltkrieg bereits begonnen hat.  „Putin wird nicht mit der Ukraine aufhören“, sagte Selenskyj in dem Gespräch mit der BBC. „Russland will der Welt eine andere Lebensweise aufzwingen und das Leben der Menschen, für welches sie sich selbst entschieden haben, verändern.“ Einen Sieg der Ukraine und eine konstante Ablehnung von Putins unaufhörlichen, unrechtmäßigen Forderungen seien deshalb viel wichtiger, als sich über die Unzuverlässigkeit des Amerikaners aufzuregen. 

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Alexander Grünstedt