Berliner Bürgermeister für harten Lockdown noch vor Weihnachten

„Wie viele Tote sind uns ein Shoppingerlebnis wert, wie viele ein Restaurantbesuch, wie viele Tote ein Kinobesuch?“ Mit dieser Frage kündigte Bürgermeister Michael Müller einen Knallhart-Lockdown für Berlin an.

„Wir werden den Einzelhandel herunterfahren müssen. Jenseits vom Lebensmitteleinzelhandel müssen alle anderen Shopping-Angebote geschlossen werden, und zwar bis zum 10. Januar, es geht nicht anders“, sagte SPD-Politiker Michael Müller im Berliner Abgeordnetenhaus. Wann genau dieser richtige Lockdown beginnen soll, ließ der Bürgermeister noch offen. „Ich kann Ihnen noch nicht konkret den Tag sagen, ob es nun der 23. ist oder der 20., weil wir das auch mit Brandenburg abstimmen müssen und abstimmen wollen“.

Müller will alle nicht lebensnotwenigen Geschäfte in der Hauptstadt schließen. Auch die Schüler sollen vorzeitig oder länger in die Weihnachtferien gehen. Es gebe zu viele Kontakte im Schulgeschehen und im Präsenzunterricht. Diese müssten vermieden werden. Deswegen möchte der Hauptstadt-Bürgermeister entweder die Ferien bis zum 10. Januar verlängern, oder den Unterricht in der Woche zuvor digitalisieren. Seine Pläne will der SPD-Politiker am Dienstag mit dem Senat beraten.

Müller begründet seinen Vorstoß mit Hinweis auf die vollen Intensivstationen und die zweistelligen Todeszahlen pro Tag. Dieser Zustand in der Hauptstadt sei „nichts, womit man sich abfinden kann“, so der Bürgermeister.

Mit Rückblick auf den verkaufsoffenen Sonntag am 6. Dezember sagte Müller. Es sei viel zu viel los auf den Straßen. Dies dürfe man nicht weiter zu lassen. Daher wolle Müller auch das vorweihnachtliche Shopping am 4. Advent verhindern. Dann nämlich strömen üblicherweise auch zahlreiche Menschen aus Brandenburg in die Hauptstadt, um die letzten Weihnachtsbesorgungen hinter sich zu bringen. „Dann entstehen Situationen im Einzelhandel und auf den Geschäftsstraßen, die wir nicht akzeptieren können“, sagte Müller.

Vermutlich werden die Koalitionspartner der Linken und von den Grünen Müllers Vorschläge wohlwollend unterstützen. Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel wurde vom „Tagesspiegel“ mit Äußerungen zitiert, die in die gleiche Richtung schlagen wie Müllers Rede. „Lasst uns 14 Tage das Virus zu Hause in Berlin aussitzen“, erklärte Gebel und sprach sich dafür aus, Verwandtenbesuche an Weinachten ausfallen zu lassen. Die Reiseaktivitäten aus, durch und nach Berlin sollen ihrer Meinung nach vorerst auf ein Minimum reduziert werden. Noch wage drückte sich der Abgeordneten-Vorsitzende der Linken aus. Carsten Schatz kündigte „weitere schwere Wochen“ an. Aber auch er findet die Infektionszahlen „viel zu hoch“.