Corona-Kriegsschauplätze: Hier sterben die meisten Infizierten

60 Prozent aller 42.637 Corona-Opfer starben in den vergangenen sechs Wochen. Es sind fast 25.000 Menschen. Eine „Bild“-Recherche macht nun transparent, wo die meisten Menschen sterben. Die deutschen Corona-„Kriegsschauplätze“ befinden sich größtenteils in Pflegeheimen.

Mindestens jeder Zweite der insgesamt 42.637 Corona-Opfer war Bewohner in einem deutschen Pflegeheim. Das ergab eine Recherche der „Bild“-Zeitung. Ausgewertet hat das Blatt unter anderem auch in welchen Regionen die meisten Menschen pro 100.000 Einwohner starben. Ganz oben steht der bayerische Landkreis Tirschenreuth, hier starben 252 Menschen pro 100.000 Einwohner in Folge ihrer COVID-19-Erkrankung. Es folgt dreimal jeweils ein Landkreis in Sachsen: Görlitz mit 214 Toten, die Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 211 und Meißen mit 168 Todesopfern pro 100.000 Einwohner. Den traurigen Platz 5 belegt wieder Bayern mit Schwabach und einer Todesinzidenz von 161.

Etwa die Hälfte der Opfer in den von der Zeitung ermittelten tödlichsten Regionen Deutschlands infizierte sich in Pflegeheimen. Auch in Berlin stellt sich die Lage exakt in diesem Verhältnis dar. Von 899 Corona-Opfern, waren 492 Heimbewohner. Jeder Zweite der in der Hauptstadt an der Infektion stirbt, hat sich in einem Pflegeheim infiziert. In Heidenheim (Baden-Württemberg) sind es 80 Prozent. Im bayerischen Landkreis Pfaffenhofen starben sogar 89 Prozent aller Corona-Toten in Pflegeheimen.

Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (45), der auch Generalsekretär der Bayern-SPD ist, sprach von der „Achillesferse Altenheim“. Nach fast einem Jahr Pandemieerfahrung, sei „nicht mehr zu rechtfertigen“, dass der Schutz von Heimen nicht gelinge. Das „beschert uns volle Intensivstationen, erschreckend hohe Todeszahlen“, so der SPD-Politiker.

Auch FDP-Vize Wolfgang Kubicki (68) wirft der Politik Versagen im Pflegeheim-Schutz vor: Seit Mai haben wir öffentlich erklärt, dass die Alten- und Pflegeheime besser geschützt werden müssen – durch regelmäßige Testungen und FFP2-Masken. Noch vor wenigen Wochen hat die Kanzlerin diese Strategie als ‚Wegsperren‘ denunziert.“

Heute muss man sich fragen, warum die Bundesrepublik Deutschland es nicht geschafft hat, die zu schützen, die am meisten gefährdet sind. Die Impfung soll die große Rettung bringen. Doch die lässt noch lange auf sich warten. Sie wird für viele Heimbewohner zu spät kommen. Unterdessen warten in deutschen Pflegeheimen jeden Tag hunderte Omas und Opas auf den Tod – alleine, denn wo Corona einmal ausgebrochen ist, kommt kein Besuch mehr. Im Lockdown sowieso nicht.