Corona-Prävention: Deutsche Städte fordern Militär an

Deutsche Städte erbitten Hilfe der Bundeswehr im Kampf gegen Corona. Unter anderem elf Bezirke Berlins werden von Soldaten der Bundeswehr unterstützt, um lokale Ausbrüche unter Kontrolle zu halten.

In Berlin und Remscheid werden Soldaten der Bundeswehr eingesetzt, um die Gesundheitsämter bei der Kontaktverfolgung von Infizierten zu unterstützen. Wegen der hohen Infektionszahlen forderten elf Bezirke die Hilfe der Bundeswehr an. Nur die Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg lehnte den Einsatz von Militär ab, obwohl die Zahl der Neuinfektionen dort sehr hoch ist.

Bislang sind 60 Soldaten in der Hauptstadt beschäftigt, um die Kontakte von Infizierten zu verfolgen und die Testteams bei der Probenentnahme zu unterstützen. Nach Informationen der Zeitung „Berliner Morgenpost“ sollen bald 180 weitere Soldaten diese Dienste in Berlin verrichten. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci freue sich über die tatkräftige Unterstützung zur Eindämmung der Pandemie, schrieb das Blatt.

11 der 12 Berliner Bezirke nehmen die Unterstützung der Bundeswehr an. Einzig Friedrichshain-Kreuzberg, unter Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), lehnt den Einsatz von Militär zur Pandemiebekämpfung ab. Der östliche Bezirk Berlins ist bekannt für seine beliebte Partyszene. Die Behörden verzeichnen vor allem hohe Infektionsraten unter feiernden, jungen Menschen, erkannte Gesundheitsstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) und kündigte verstärkte Kontrollen an. Im Vergleich zu anderen Bezirken Berlins verzeichnet Friedrichshain-Kreuzberg eine sehr hohe Prokopf-Infektionsrate, insbesondere unter den 20- bis 35-Jährigen.

Mit dieser Altersgruppe und der Partyszene kämpfen auch andere Bezirke der Hauptstadt. Am Wochenende musste die Polizei Feiernde aus zwei Parks in Berlin-Mitte auseinanderdividieren. „Bis zu 300 Personen in Partystimmung und mit viel zu wenig Abstand“ hätte sich dort aufgehalten. Die Polizei musste gemäß Behördenangeben „mit Nachdruck“ die teilweise alkoholisierten und jugendlichen Feierwütigen überreden, die Menschenansammlung zu verlassen. Die Auseinandersetzungen verliefen nicht komplett aggressionslos. Die Polizei meldete vereinzelte Flaschenwürfe und den Einsatz von Pyrotechnik. Im Weinbergspark wurde ein Polizist leicht verletzt.

Auch in NRW sollen Soldaten helfen
Auch die nordrheinwestfälische Stadt Remscheid teilte am Wochenende mit, dass man Verstärkung durch die Bundeswehr bekomme. „Die Kräfte werden voraussichtlich im Laufe der kommenden Woche ihren Dienst in Remscheid antreten“, erklärte die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. Am Sonntag verzeichnete Remscheid mehr als 72 Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Der Sieben-Tages-Inzidenz der Stadt liegt damit deutlich über 50, was als Wendepunkt für die Entscheidung über weitere Maßnahmen zur Kontrolle der Pandemie festgelegt wurde.