Coronavirus kann auch das Gehirn angreifen

Schwere, bisweilen tödliche Atemwegserkrankungen löst das Coronavirus aus und sorgt weltweit für Tote, Angst und Einschränkungen. Nun wollen chinesische Wissenschaftler herausgefunden haben, dass auch das Gehirn von dem Virus angegriffen werden kann.

Die häufigsten Beschwerden einer Covid-19-Erkrankung sind Fieber, Husten, Atem- aber auch Magenbeschwerden. Aus aller Welt haben aber auch Ärzte und Virologen von Patienten berichtet, die von Funktionsstörungen im Gehirn berichtet hatten. Auffällig ist, dass viele keine der bekannten Symptome wie Husten oder Atembeschwerden aufwiesen. Nun haben die Wissenschaftler aus China die Theorie aufgestellt, dass über das zentrale Nervensystem das Sars-CoV-2 Virus in den Hirnstamm gelangen kann.

Wichtige Körperfunktionen wie Herzkreislauf und Atmung werden darüber gesteuert. Dabei können Herz-Rhythmus-Störungen und Atembeschwerden eine Folge des Befalls sein, welche auch isoliert von anderen Symptomen der Erkrankung auftreten können. Forscher aus Deutschland und Großbritannien hatten bereits herausgefunden, dass der Geruchs- und Geschmackssinn im frühen Stadium einer Infektion schwinden kann, auch wenn ansonsten ein milder Verlauf der Erkrankung auftritt.

„Immer mehr Hinweise darauf“ gefunden haben nun die chinesischen Wissenschaftler, „dass Coronaviren nicht immer auf die Atemwege beschränkt sind und dass sie auch in das zentrale Nervensystem eindringen und neurologische Erkrankungen auslösen können. Die Infektion mit Sars-CoV-2 wurde sowohl bei Patienten als auch bei Versuchstieren, bei denen der Hirnstamm stark infiziert war, im Gehirn gemeldet.“

„Schutzmechanismen bleiben dieselben“

Ob eine bedrohliches Atemwegsversagen durch das Vordringen des Virus in das Gehirn verantwortlich ist, müsse in weiteren Untersuchungen noch geklärt werden, so die Wissenschaftler. „Das Bewusstsein darüber kann eine leitende Bedeutung für die Prävention und Behandlung des Sars-CoV-2-induzierten respiratorischen Versagens haben.“

Ältere Arbeiten hätten aber gezeigt, dass aus der Familie der Coronaviren bestimmte Varianten durchaus in das zentrale Nervensystem eindringen können. Ob dies auch für das neuartige Coronavirus gilt, steht derzeit noch nicht abschließend fest, so Peter Berlit, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Er antwortete auf die Frage, ob diese neuen Erkenntnisse auch Auswirkungen auf den Schutz vor dem Coronavirus hat: „Die Schutzmechanismen sind genau dieselben, weil vermutlich das Virus über Nervenendungen im Bereich der Lunge auf verschiedenen Nervenbahnen in Richtung Gehirn gelangt.“

„Wir stehen noch am Anfang“

Ob weitere neurologische Symptome durch das Virus ausgelöst werden können oder ob dies Folgen anderer Symptome sind, gilt es weiter zu erforschen. Gegenüber der „New York Times“ sagte der Forscher Robert Stevens von der renommierten Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore: „Es sei schlicht noch zu früh, definitive Aussagen darüber zu treffen, welche Auswirkungen das Virus auf das Nervensystem hat. Es könnte auch einfach ein niedriger Sauerstoffgehalt im Blutkreislauf sein“, der dadurch entsteht, wenn es durch einen Atemstillstand zu einem Anstieg des Kohlendioxids im Körper kommt, „der erhebliche Auswirkungen auf die Funktion des Gehirns haben und zu Verwirrung und Lethargie führen kann“, sagte er. „Wir stehen noch am Anfang, und wir wissen es nicht wirklich sicher“.

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