Das Sterben der Innenstädte beginnt: Beliebter Mode-Riese schließt etliche Filialen in Deutschland

Eines der beliebtesten Bekleidungsgeschäfte Deutschlands kämpft gegen die drohende Insolvenz. Deshalb werden nun etwa 100 Filialen in mehreren Bundesländern geschlossen. Der Moderiese C&A verschwindet damit aus den deutschen Innenstädten.

C&A schließt ein Viertel seiner Filialen in ganz Deutschland. Rund 100 Bekleidungsgeschäfte verschwinden damit aus den deutschen Innenstädten. Stattdessen will die Modekette ins Online-Geschäft investieren.

Der Kahlschlag bei C&A zieht sich durch ganz Europa. Die Hauptverwaltung in Brüssel wird komplett geschlossen. Der Standort Düsseldorf bleibt aber erhalten. Deutschland ist der wichtigste Markt von C&A. In Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Bayern, Berlin und Brandenburg werden trotzdem etliche Filialen geschlossen. Weitere Märkte in Mittelosteuropa, den Beneluxstaaten und im Süden der EU werden komplett zusammengestrichen. Bislang ist C&A in 18 Ländern vertreten und beschäftigt dort rund 23.000 Menschen.

C&A kämpft bereits seit Jahren mit sinkenden Umsätzen. Das Geschäftsjahr 2019/2020 für Deutschland endete mit einem Fehlbetrag von 93,6 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz des Traditionsunternehmens sank von 2,26 auf 2,16 Milliarden Euro. Das war noch vor der Pandemie, als die Innenstädte noch voll belebt waren.

C&A und seine Filialen sind offenkundig nicht mehr modern oder nicht günstig genug aufgestellt. Auf der einen Seite kämpft der Moderiese gegen das Online-Geschäft auf der anderen Seite ziehen Aldi, Primark und Co auch die Laufkundschaft ab, weil sie extrem billige Waren anbieten. Auch andere Modegeschäfte kommen da nicht mehr mit. So kündigten auch Zara, Pimkie und Esprit bereits Filialschließungen an.

Wegen der Dauerkrise bei C&A kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Managementwechseln. Keiner davon führte zu einem neuen Erfolgskurs. Zuletzt versuchte Ex-Rewe-Chef Alain Caparros sein Glück und verursachte vor allem gestiegene Personalkosten, beklagten Insider.

C&A gehört seit dem 19. Jahrhundert zur Modewelt Europas. Damals so behauptet C&A über sich selbst, erfand das Unternehmen „eine ganze Branche neu“, in dem es erschwingliche Mode kreierte, die für die zunehmend vollbeschäftigte Bevölkerung in der industriellen Revolution erreichbar wurde. Viele Jahrzehnte lang hielt C&A sich als Bekleidungsgeschäft für jedermann. In den Filialen fanden die Menschen erschwingliche und bürgerliche Mode. Im 21. Jahrhundert schrieb C&A sich zunehmend auch Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung ins Firmenkonzept. Offensichtlich gelang es C&A damit nicht, seine Kundschaft nachhaltig zu erweitern.

Das könnte Sie auch interessieren:

5 Kommentare

  1. eigentlich schade…
    na ja, mich trifft es nicht, ich lasse sogar meine Taschentücher und die Po-Lappen vom Maßschneider machen.

  2. Haben Kak und Tekki gewonnen?
    Auf jeden Fall zeigt sich auch hier das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Auf der Seite viele Menschen, denen immer weniger Geld bleibt, so auch für Bekleidung. Und auf der anderen Seite jene, für die keine Nobelboutique zu teuer ist. Die Mittelschicht, das Maß für eine gesunde und sozialökomisch ausgewogene Volkswirtschaft, schrumpft! 🤨

  3. Haben Kak und Tekki gewonnen?
    Auf jeden Fall zeigt sich auch hier das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Auf der einen Seite viele Menschen, denen immer weniger Geld bleibt, so auch für Bekleidung. Und auf der anderen Seite jene, für die keine Nobelboutique zu teuer ist. Die Mittelschicht, das Maß für eine gesunde und sozialökomisch ausgewogene Volkswirtschaft, schrumpft! 😠

  4. Herr Lange,
    das sehe ich genauso.
    Leider stirbt der Mittelstand, obwohl er die Stütze eines Landes ist.
    Dank der Entwicklung werden zukünftig noch mehr Leute zu KiK einkaufen gehen (müssen).
    C&A ist ein Händler, der Qualität zu einem bezahlbaren Preis verkauft. Es ist eine Schande, wenn solch ein Händler in Schräglage gerät. Allerdings gab es bei C&A schon lange Probleme mit dem Fortbestand.

  5. 93,6 Millionen Minus im Umsatz, die „armen“ das tut mir aber leid….Wird vielleicht mal daran gedacht, dass der Bedarf der Menschen nach neuen Klamotten mal ein Ende haben könnte. Wer bei C&A kauft hat doch eh einen schmalen Geldbeutel. Und den sonst sehr teuer gewordenen, eher Lebensnotwendigen Dingen wie Strom, Gas, Heizung usw. muss man halt den Vorrang geben. Da stehen neue Klamotten verständlicherweise doch ganz hinten an. Oder?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.