Zweitgrößte deutsche Bank streicht Tausende Stellen

Umbruch im deutschen Bankensystem – Jede fünfte Filiale wird geschlossen und tausende Stellen sollen im Rahmen einer Neuausrichtung der teilstaatlichen Commerzbank gestrichen werden.

Der Vorstand der Commerzbank kündigte an, rund 4.300 Stellen streichen zu wollen. So steht es in einem neuen Strategieplan, den das Geldhaus kommende Woche dem Aufsichtsrat vorstellen will. Darin wird erörtert, dass die Flächenpräsenz um rund 20% reduziert werden könne. 200 von rund 1.000 Filialen stehen damit vor dem Aus.

Dabei speckt die neue Strategie nicht nur ab. Wenngleich Filialen geschlossen werden, so will die Bank mehr in den Strategiebereich investieren. Hier können etwa 2.000 neue Stellen entstehen. Auch in die Tochter Comdirect möchte das Geldinstitut weiter investieren. Diese will die Commerzbank zu 100% übernehmen. Bisher gehört die Comdirect nur zu 82% dem Mutterkonzern.

Um Geld für die Umstrukturierungen zu schaffen, wird die Tochter mBank abgeworfen. Die mBank ist eine Drei-Milliarden schwere polnische Bank, gelistet in Warschau. Durch den Verkauf ihrer Anteile rechnet die Commerzbank mit einem Erlös von rund zwei Milliarden Euro. Experten bewerten das Geschehen beinahe als Akt der Verzweiflung. Die mBank gilt als wegweisende Bank der Digitalisierung. Die Trennung von der erfolgreichen Tochter ist nur durch Handlungszwang zu erklären.

Die Commerzbank macht seit geraumer Zeit turbulente Entwicklungen durch und immer wieder krasse Schlagzeilen. Im Zuge der Finanzkrise 2008 musste das Frankfurter Geldhaus mit rund 8,2 Milliarden Euro aus einem staatlichen Rettungsfonds aufgepäppelt werden. Im Januar 2009 gab es eine weitere Finanzspritze von rund 8,2 Milliarden Euro. Schließlich wurde die Commerzbank teilverstaatlicht. Mit 25 Prozent des Gesamtkapitals war die Bundesrepublik alsbald wichtigster Aktionär des wackelnden Geldinstituts. Was als temporäre Stütze gedacht war, entwickelte sich zum Dauerzustand. Heute hält der Staat noch immer rund 15 Prozent der Anteile – zum Unwohl der Bundesregierung, die seit geraumer Zeit über einen möglichen Ausstieg spricht. Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland lässt seit einigen Wochen durch externe Berater prüfen, wie die Bundesregierung mit der Beteiligung strategisch umgehen soll. Gewinne sind nicht in Aussicht.

Seit 2012 hat der scheidende Finanzchef Stephan Engels die Commerzbank durch die Krisen begleitet. Laut Commerzbank-Chef Martin Zielke, habe Engels maßgeblich dazu beigetragen, das Frankfurter Geldhaus wieder in eine „stabil und zukunftsausgerichtete“ Lage zu bringen. Engels wird die Commerzbank jedoch 2020 verlassen, um sich internationalen Herausforderungen zu widmen. Er wechselt zur dänischen Danske Bank, die vor allem mit ihren Verwicklungen in Geldwäsche-Skandale weltweit Schlagzeilen machte. Die Umsetzung der neuen Commerzbank-Strategie wird folglich ein neuer Finanzchef begleiten.