Hantavirus-Gefahr noch lange nicht vorbei: Deutschland richtet spezielle Zentren ein

Drei Menschen sind gestorben, und die Zahl der möglichen Hantavirus-Fälle steigt weiter an. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums wurden in Deutschland spezielle Zentren eingerichtet.

Am Montag kehrten die Passagiere der „Hondius“ nach einer zermürbenden Woche der Ungewissheit in ihre Heimatländer zurück. Doch die Gefahr ist noch lange nicht vorbei: Die WHO kann nach eigenen Angaben noch keine Entwarnung geben – und das aus gutem Grund.

„Patient Null“ offenbar identifiziert
Die Hondius transportierte 150 Passagiere aus 23 verschiedenen Ländern. Einige, die an Bord gingen, würden nie wieder zurückkehren: Unter den Opfern sind eine 78-jährige Deutsche sowie ein Ehepaar aus Holland, dessen Ehemann nun vermutlich der erste Infizierte war, als er am 1. April an Bord ging. Am 6. April entwickelte er Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Durchfall. Am 11. April war er tot.

Da die Symptome auf eine Vielzahl anderer Krankheiten hindeuten konnten, wurde das Hantavirus leider nicht sofort vermutet. Die von Mensch zu Mensch übertragbare Anden-Virus-Variante wurde erst mehrere Tage nach dem Auftreten weiterer Fälle bestätigt. Dies liegt zum Teil daran, dass zwischen dem Kontakt mit einer infizierten Person und dem Auftreten der Krankheit bis zu sechs Wochen vergehen können. Und genau hier liegt das Problem.

Passagiere der „Hondius“ unter strenger Beobachtung
Alle Hantavirus-Fälle und Verdachtsfälle werden unter ärztlicher Beobachtung in Isolation gehalten, versichert die WHO. Die übrigen zurückgekehrten Passagiere müssen laut WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bis zum 21. Juni unter strengster Beobachtung stehen. Die vier nach Deutschland zurückgekehrten Passagiere werden in den nächsten Wochen „kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht“, so das Bundesgesundheitsministerium. Sollte eine Person erkranken, wird sie in speziellen Zentren behandelt.

Die Möglichkeit von weiteren Fällen
Andere Länder haben ähnliche Vorkehrungen getroffen, aber ist das wirklich das Ende der Geschichte? Das ist derzeit aus mehreren Gründen leider noch ungewiss:
– Aus Italien wurde ein weiterer möglicher Infektionsfall gemeldet: Ein 25-jähriger Mann aus Kalabrien hatte im Flugzeug Kontakt zu einer Frau, die später an einem Hantavirus starb. Er befindet sich nun in Quarantäne in einem Krankenhaus für Infektionskrankheiten in Rom.
– Zwölf Mitarbeiter eines Krankenhauses in den Niederlanden wurden unter Quarantäne gestellt, nachdem sie Blut- und Urinproben einer infizierten Person ohne Einhaltung aller erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen gehandhabt hatten.
– In Argentinien nehmen die Fälle des Andes-Virus zu. Seit Juli letzten Jahres wurden 101 Fälle registriert, von denen 32 tödlich verliefen. Im Vergleich dazu wurden zwischen Juli 2024 und Juni 2025 insgesamt 57 Fälle registriert (Quelle: Tropeninstitut.de, Stand: 06. Mai 2026). Wissenschaftlern zufolge sind der Klimawandel und die Zerstörung von Lebensräumen für die zunehmende Ausbreitung virustragender Nagetiere verantwortlich.

Gibt es Grund zur Sorge? Nach dem aktuellen Stand des Wissens sollte es wohl geringen Grund zur Besorgnis geben. Wie mehrere Medien berichten, deutet eine Untersuchung des Erbguts des Hantavirus darauf hin, dass es nicht zu einer Mutation gekommen ist, die es ansteckender machen würde. Die Übertragung dieses Virus ist nicht so leicht wie beispielsweise bei Atemwegserkrankungen – es ist enger Kontakt erforderlich, damit eine Infektion stattfinden kann. Bis die WHO Entwarnung gibt, werden jedoch viele Menschen wachsam bleiben und abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Foto: Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Oskar Herbert