Hier wird gelockert – trotz extrem hoher Fallzahlen

Die Regierung galt bisher als extrem vorsichtig in der Pandemie. Durch Omikron sind die Infektionszahlen nun aber auf Rekordhöhe geschnellt. Trotzdem sind am Sonntag die meisten Beschränkungen in Israel aufgehoben worden. Parallel dazu wird allerdings die Impfkampagne ausgeweitet.

Wie viele andere Länder erreicht auch Israel in der aktuellen Omikronwelle Rekordzahlen bei Erfassung der Corona-Infektionen im Land. Noch nie war die Zahl der täglichen Neuinfektionen so hoch wie heute. Trotzdem wurde vor wenigen Tagen gelockert. Die meisten Beschränkungen fallen weg.

Unter die Lockerungen fällt auch die Testpflicht. Einen PCR-Test machen in Israel nur noch Personen über 60 Jahre, wenn sie als direkter Kontakt eines Infizierten gelistet sind. Alle anderen können bei Verdacht einen Schnelltest machen und müssen dafür nicht einmal zu einer offiziellen Teststelle. Diese lockere Teststrategie hat eine wichtige Konsequenz: Tatsächlich sind vermutlich noch viel mehr Menschen infiziert, als es den Behörden bekannt ist, da diese schlicht nicht mehr getestet und erfasst werden.

Auch die Reisebeschränkungen, die nach Entdeckung von Omikron eingeführt worden waren, sind inzwischen hinfällig. Die Israelis dürfen wieder fast frei reisen. Jedenfalls gibt es keine Reisebeschränkungen mehr aufgrund von der Pandemie. Die Regierung empfiehlt lediglich unnötige Reisen zu unterlassen, weil in vielen Ländern die Infektionszahlen höher sind. Verbindlich ist das jedoch nicht. Darüber hinaus sind auch die Freiheiten innerhalb von Israel wieder ausgeweitet worden. Schulen und Restaurants sind wieder geöffnet. Sogar Partys sind erlaubt.

Die Auslandskorrespondentin Yvette Schwerdt vermutet, dass Israel nun doch auf Herdenimmunität setzt. Israels Ministerpräsident Naftali Bennett rechnet selbst mit zwei bis vier Millionen Infizierten. Trotzdem sind keine Beschränkungen vorgesehen.

„Focus Online“ bat den Epidemiologe Timo Ulrichs um eine Einschätzung zu dieser Strategie. Der Experte für internationale Krisen und Epidemien bezeichnete Israels Weg als „Gratwanderung“, die allerdings gut gehen könnte. Er verwies aus die hohe Impfquote in Israel. Insbesondere die älteren Teile der Bevölkerung seien bereits durchgeboostert. Inzwischen verteilt Israel sogar die vierte Impfdosis unter den sogenannten vulnerablen Gruppen, also vor allem an jene, die älter als 60 Jahre sind. „Diese Menschen sind also sehr sicher geschützt vor schweren klinischen Verläufen“, erklärt Ulrichs. Wenn das Virus nun tatsächlich kaum noch auf Ungeimpfte treffe, könnte es Israel gelingen, trotz Öffnungsschritte ohne Überlastung des Gesundheitssystems durch die Omikron-Welle zu kommen.

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