Hunderte quarantänepflichtige Briten spurlos verschwunden

Seit in Großbritannien eine extrem ansteckende Corona-Mutation entdeckt worden ist, dürfen Briten sich nicht mehr frei auf dem Festland bewegen. Einige Tausend britische Touristen in der Schweiz wurden deshalb rückwirkend zur Quarantäne verpflichtet. Mindestens 400 verschwanden daraufhin über Nacht aus einem Skiort im Wallis.

Im schweizerischen Verbier, ein beliebter Skiort bei den Briten, sind 400 quarantänepflichte Gäste aus Großbritannien über Nacht verschwunden. Eigentlich hätten die Urlauber aus Großbritannien in einem Hotel ihre Quarantäne fristen sollen. Doch die Touristen machten sich des nachts aus dem Staub. Aufgefallen war das Verschwinden der Vierhundertschaft weil die vor den Zimmern abgestellten Frühstücktabletts nicht mehr angerührt worden waren. Das berichtete ein Gemeindesprecher der Deutschen Presse-Agentur.

In Verbier waren über Weihnachten 420 Gäste identifiziert worden, die unter die Quarantänepflicht für Einreisende aus Großbritannien fallen, darunter auch dort lebende Schweizer. Ein paar Dutzend seien umgehend wieder abgereist, die meisten hätten jedoch in Quarantäne verbleiben sollen. Doch am Ende waren noch rund zehn der 420 übrig. Einige Gäste hätten sich inzwischen aus Frankreich zurückgemeldet, so der Sprecher. Dort können diese zwar nicht skifahren, weil alle Pisten geschlossen sind, besser haben die Reisenden es dort dennoch, weil sie keiner Quarantänepflicht unterliegen.

Die Schweiz hat alle Flüge aus Großbritannien und Südafrika am 20. Dezember unterbunden. Außerdem ordneten die Behörden rückwirkend eine Quarantänepflicht an. Alle Einreisenden aus den beiden Ländern, die seit dem 14. Dezember in der Schweiz ankamen, müssen nun zehn Tage ab Ankunftsdatum in Quarantäne. Die Verordnung traf tausende Skiurlauber und Weihnachtsreisende.

Die Walliser Gemeinde Verbier hatte sich zunächst um Rückflüge für ihre Gäste bemüht. Doch auch dafür hätten die Reisenden zuerst ihre Quarantäne absitzen müssen, was wenig motivierend wirkte, berichtet Gemeindesprecher Jean-Marc Sandoz und erklärte, dass man im Ort die Wut der Urlauber verstehen könne. „Da saßen Familien mit kleinen Kindern plötzlich auf 20 Quadratmetern fest“, sagte er. „Das war nicht auszuhalten.“ Die Regelung sei zu plötzlich gekommen und die Gemeinden hätten keine Unterstützung erhalten, um sie umzusetzen.

In der Schweiz wurden inzwischen drei Fälle mit der neuen Corona-Variante aus Großbritannien nachgewiesen sowie ein Fall mit der mutmaßlich noch ansteckenderen Mutante aus Südafrika. Die schweizerische Wissenschaftlerin Isabella Eckerle, die die Mutation dort nachgewiesen hat, forderte einen europaweiten Lockdown. Davon ist die Schweiz selbst jedoch weit entfernt. Noch immer sind die großen Skigebiete in einigen Kantonen geöffnet. Wie aktuelle Fotos zeigen, versammeln sich die Wintersportler dort dicht gedrängt bei den Gondelstationen.