Kein Einfluss des Sommers auf die Pandemie

Die Hoffnung, dass durch warmes Wetter, Sonnenstrahlen und höhere Luftfeuchtigkeit das Coronavirus verschwindet, hält sich bisher. Nun zeigen allerdings neue Studien, das es sich dabei um einen sehr geringen Effekt handeln dürfte. Wirksamer sind da andere Einflüsse.

Mit dem kommenden Sommer fällt auch immer mehr der Blick auf die Ferienzeit. Zuletzt sanken die Zahlen der bei den Neuinfektionen und die Frage steht im Raum, ob die steigenden Temperaturen und mehr Sonnenschein ein Ende der Pandemie bedeuten können? Denn in den kälteren Monaten des Jahres treten auch andere Grippe-Erreger und Coronaviren auf, die dem Menschen zusetzen. Kann es bei Sars-CoV-2 nicht auch so sein?

Ob der Sommer dem Virus wirklich zum Verhängnis werden kann, haben nun neue Forschungsarbeiten untersucht. Ein Team aus Kanada um den Epidemiologen Peter Jüni hat in 144 Regionen der Welt mit mindestens zehn Covid-19-Erkrankungen untersucht. Dabei wurden die geografische Breite, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit auf einen möglichen Zusammenhang einer regionalen Ausbreitung untersucht. Zugleich wurden die Einflüsse von gezielten Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen untersucht.

Die Forscher waren von den Ergebnissen überrascht. Es fand sich kein Zusammenhang Breitengraden oder Temperaturen von speziellen Regionen. Doch sei die Luftfeuchtigkeit durchaus zu einer Beeinträchtigung des Infektionsgeschehens in der Lage. Hingegen haben staatlich verordnete Gesundheitsmaßnahmen tatsächlich einen starken Einfluss auf die Eindämmung des Virus.

„Pandemie wird nicht verschwinden“
Einen lediglich leichten Einfluss auf die Ausbreitung des Virus durch den Sommer sieht auch eine andere Studie aus den USA. Der an der MIT Sloan School of Management arbeitende Hazhir Rahmandad und seine Kollegen fanden heraus, dass in einigen Weltregionen höhere Temperaturen durchaus für etwas Erleichterung sorgen können. Gestoppt würden Infektionen mit dem Coronavirus dadurch aber nicht. „Obwohl hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit die Ansteckungsrate des Coronavirus leicht reduzieren können, wird die Pandemie wahrscheinlich nicht allein aufgrund des Sommerwetters verschwinden“, so Rahmandad.

Dies sind weitere Beispiel für viele Untersuchungen zu einem möglichen Einfluss des Sommers auf den Pandemieverlauf. Diese kamen alle zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. Einige der Untersuchungen sahen einen Einfluss von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und UV-Strahlung auf die Ausbreitung des Virus oder die Lebensdauer auf Oberflächen. Andere wiederum kamen zu gegenteiligen Ergebnissen oder konnten keinen Sommer-Effekt belegen.

Ende April hatte eine Untersuchung von Wissenschaftlern der US-Regierung für Aufsehen gesorgt. In Experimenten hatten sie nach eigenen Angaben festgestellt, dass Coronaviren vom Typ Sars-CoV-2 durch UV-Strahlen schnell abgetötet wurden. Dabei hatten sie das natürliche Sonnenlicht imitiert, so wie es zu Beginn des Sommers auf Meeresspiegelhöhe auf 40 Grad nördlicher Breite herrscht.

Kritik an UV-Licht-Studie

Skeptisch zu diesen Ergebnissen hatten sich jedoch viele Experten geäußert. Unter anderem bemängelten sie, dass sie bisherigen Forschungen widersprächen. Dass die im Sonnenlicht enthaltenen UV-A-Strahlen tatsächlich Viren abtöten ist bislang nicht belegt worden. Lediglich UV-C-Strahlen helfen bei der Zerstörung von genetischem Material in den Viren. Diese treffen aber nicht die Erde, da sie von der Atmosphäre herausgefiltert werden.

Somit scheint am Ende der Effekt des Sommers wesentlich geringer zu sein als von vielen erhofft.

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