Mallorca mit neuem Lockdown

Für das im Großraum von Palma de Mallorca liegende Viertel Son Gotleu hat das balearische Gesundheitsministerium einen lokalen Lockdown ab dem 11.9. angeordnet. Zwar dürfen die Bewohner weiterhin ihre Wohnungen verlassen, aber das Viertel selbst nur unter strengsten Auflagen. Gelten solle diese Maßnahme für die nächsten zwei Wochen.

Die Bewohner – betroffen sind rund 23.000 Personen – dürfen ihr Viertel demnach nur verlassen, wenn Sie ihre Arbeitsstelle aufzusuchen, zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen, die Schule oder eine Bildungseinrichtung besuchen oder um sich um Pflegebedürftige zu kümmern. Die Geschäfte und Bars des Viertels dürfen weiter geöffnet bleiben, können aber nur die Hälfte der sonst üblichen Gäste empfangen. Um 22 Uhr müssen alle Bars dann schließen.

Bislang dürften die meisten Mallorca-Urlauber jedoch noch nichts von dem Viertel gehört geschweige denn es besucht haben. Es liegt im östlichen Teil von Palma, fern ab von allen Sehenswürdigkeiten. Die Ausfallstraßen Carrer Manacor und Carrer Aragó gehen drum herum und es grenzt an die Ringautobahn von Palma de Mallorca.

Son Gotleu erfüllt in der Regel alle Kriterien, wenn es darum geht, dass sich Corona opitmal ausbreiten kann. Dazu gehören auch die beengten und ärmlichen Wohnverhältnisse. Früher war es ein reines Arbeiterviertel, doch hat es sich durch Zuwanderung, Wirtschaftskrise, Drogen und Clankriminalität zu einem Spannungsfeld entwickelt, das einen beispiellosen Niedergang zu verkraften hat.

In dem Viertel ist nicht alles nur Elend und mit Recht wehren sich die Bewohner dagegen, über einen Kamm geschert zu werden. Massive Vernachlässigung und soziale Not lassen sich in den vielen heruntergekommenen Wohnblocks aus den 60er-Jahren sehr gut ablesen. Und die Sache wird auch nicht einfacher, denn ein Antrag auf sechs Millionen Euro aus dem EU-Regionalfonds, der vor vier Jahren gestellt wurde, ist nicht bewilligt worden. So konnten auch die vielschichtigen Probleme, die hier herrschen, nicht angegangen werden.

Viele alteingesessene Festlandspanier leben hier noch immer, nachdem sie vor Jahrzehnten wegen der vielen Jobs auf die Insel gekommen waren. Allerdings hat mittlerweile ein Großteil der Bewohner einen afrikanischen oder lateinamerikanischen Migrationshintergrund. Der Ausländeranteil liegt in dem Viertel bei 37 Prozent, wohingegen der Durchschnitt auf der Insel bei 17 Prozent liegt. Ebenso leben in dem Viertel Son Gotleu viele gitanos, wie die Roma in Spanien genannte werden. Für Schlagzeilen sorgen auch immer wieder Straßenschlachten zwischen den verschiedenen Ethnien sowie regelmäßige Drogenrazzien.

In vielen der leer stehenden Wohnungen haben sich im Zuge der Wirtschaftskrise und der geplatzten Immobilienblase eine Menge Hausbesetzer breit gemacht. Überall findet man Müll in den Innenhöfen, beschädigte Türen, aufgebrochene Briefkästen. Denn wer hier wohnt, findet keinen anderen Ort zum Leben. Den Problemen des Viertels wollte sich die Linksregierung im Rathaus von Palma annehmen, denn der Bürgermeister Hila hat als Student auch einige Jahre in dem Viertel gelebt. Doch lassen die Veränderungen bisher noch auf sich warten.

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