Massiver Corona-Ansturm auf Kliniken erwartet

Auf sinkende Infektionszahlen rund um Weihnachten hoffen viele, aber in Rheinland-Pfalz wird mit einer Vervielfachung der stationären Covid-Patienten bis zur Mitte des kommenden Monats gerechnet. Nahe legt diese Annahme ein Register, welches auch darüber Klarheit verschaffen kann, auf welche Art und Weise die meisten Patienten an Corona sterben.

Eine Vervielfachung der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern erwartet derzeit Rheinland-Pfalz. Sollte es zu keiner signifikanten Reduzierung der Infektionszahlen kommen, so geht man in einer vorsichtigen Schätzung davon aus, dass etwa 1.400 zusätzliche Patienten in den nächsten vier Wochen in eine stationäre Behandlung in die Krankenhäuser eingewiesen werden. Dies hat das Landesgesundheitsministerium in Ludwigshafen mitgeteilt. Ein Zwischenbericht aus dem sogenannten „Covid-19-Register“ legt diese Annahme zugrunde. In diesem Register sind die Zahlen von Corona-Patienten in den Krankenhäusern erfasst.


Gestartet wurde dieses im April. Zum damaligen Zeitpunkt waren 274 Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern des Bundeslandes in Behandlung. Auf der Intensivstation sind rund 20 Prozent davon betreut und beatmet worden. Einen Luftröhrenschnitt erhielten 42 Prozent der beatmeten Patienten. Bei 17,6 Prozent lag dabei dann die Sterblichkeit, von denen mehr als die Hälfte an einem akuten Lungenversagen verstorben sind. Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug dabei 64 Jahre und sie blieben 15 Tage in Behandlung.

Die registrierten Covid-19-Patienten unterscheiden sich zahlenmäßig aber von den täglichen Meldungen, die die Krankenhäuser an das Landesgesundheitamt schicken. Zur Meldung ihrer aktuellen Patientenzahlen an das Gesundheitsamt sind die Krankenhäuser verpflichtet. Hingegen ist die Angabe bei dem Register in Ludwigshafen freiwillig. Dies erklärte der Studienleiter Anselm Gitt vom Herzzentrum in Ludwigshafen. Auch wenn nicht alle Krankenhäuser bei dem Register mitmachen, so bieten die vorliegenden Zahlen doch ein gutes Indiz für die künftige Entwicklung.

Das Institut für Herzinfarktforschung hat auf der Grundlage dieser Zahlen nun eine Prognose über die künftige Entwicklung der Patientenzahlen abgegeben. Geschätzt benötigen 6,8 Prozent aller Covid-19-Patienten im Verlauf ihrer Infektion eine Behandlung im Krankenhaus. Eine intensivmedizinische Behandlung benötigen von diesen wiederum 21,8 Prozent. Geht man nun von 1.400 weiteren Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern aus, so müssen demnach gut 300 in Zukunft auf der Intensivstation behandelt werden.

Aus den somit gewonnen Erkenntnissen lasse sich das Virus besser verstehen und eine Optimierung der Behandlung ableiten. Das sagte die Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenzhäler. Da in Rheinland-Pfalz die entsprechenden Intensivkapazitäten ausgebaut worden sind, sei man für diese Herausforderung gut gerüstet. Auch zeige es, dass die zu Monatsbeginn verhängten Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Pandemie sinnvoll seien.