Miet-Moratorium beendet: Mietern droht fristlose Kündigung

Der staatliche Schutz für Mieter ist ausgelaufen. Ab jetzt gilt: Mieter können fristlos auf die Straße gesetzt werden, wenn sie zwei Monate in Folge ihre Miete nicht bezahlen. Doch genau das wird aufgrund der Corona-Einbußen Vielen passieren, vermuten Mietvereine.

„Die große Kündigungswelle wird im Herbst über uns hereinbrechen“, wird Hans-Jochem Witzke vom Mieterbund in NRW durch die „Bild“ zitiert. Auch Münchens Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) macht sich Sorgen, was mit all den Mietern passiert, die durch die Corona-Krise weiterhin zahlungsunfähig seien, aber nicht mehr durch das „Corona-Miet-Moratorium“ geschützt würden. Ab jetzt reicht nämlich wieder ein Mietrückstand von zwei Monatsmieten für eine fristlose Kündigung.

Von März bis Juni 2020 genossen Mieter in Deutschland einen speziellen Mieterschutz, das sogenannte „Corona-Miet-Moratorium“. Vermieter durften in dieser Zeit ihren Mietern nicht kündigen, auch wenn die Miete ausblieb. Doch dieser Krisen-Schutz ist nun ausgelaufen. Ab jetzt gelten wieder alte Regeln. Doch Beobachter der Mietsituation in Deutschland vermuten, dass noch lange nicht alle Mieter wieder zahlen können.

Besonders in Städten mit besonders hohen Mietkosten könnte die Lage sich dramatisch zuspitzen. In München sollen bis zu 400 000 Mieter durch die Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein, schätzt der Deutsche Mieterbund in München. „Wir gehen davon aus, dass im Herbst verstärkt Mieter zu uns kommen werden, weil sie eine Kündigung erhalten haben“, erläutert Mieterbund-Ansprechpartnerin Beatrix Zurek der Bild-Zeitung.

Auch Rolf Janßen vom DMB Mieterschutzverein Frankfurt/Main e.V erwartet in den nächsten Monaten massive Probleme auf dem Wohnungsmarkt, die einige Zeit überdauern könnten. Denn auch viele Mieter, die nach den Lockerungen wieder arbeiten können, hätten es schwer, die noch ausstehenden Mieten im Rahmen der gesetzlich vorgegebenen zwei Jahre zurückzuzahlen. Besonders gefährdet seien Mieter, die mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete stemmen müssten.

Schiwy vom Münchner Sozialreferat ruft deshalb dringend auf: „Haben Sie Probleme, die Miete zu zahlen? Warten Sie nicht, kommen sie jetzt.“ Wer es verpasst, rechtzeitig Hilfe zu beantragen und zwei Monatsmieten rückfällig wird, müsse mit einer Verkettung an Ereignissen retten, welche die prekäre Situation weiter verschärfen: „Räumungsklage, Gerichtskosten, Notunterkunft und Kosten für die Einlagerung von Möbeln. 1.000 Euro Mietschulden können so schnell zu 5.000 Euro werden“.

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