Nach Katastrophe: Deutsche Bürger werden einberufen

Jetzt müssen deutsche Bürger nach einer Katastrophe aushelfen! Auch Sie könnten zum Einsatz ausrücken, wenn Sie in Leipzig wohnen und etwas Zeit übrig haben, um Fugenmasse von Gleisen zu kratzen. Es handelt sich um einen Hitzeschaden der Straßenbahn-Strecken.

Ganz Europa glüht! Und auch Leipzigs Straßenbahnverkehr kämpft mit den Nachwirkungen der Extrem-Hitze. Die Verkehrsbetriebe gehen nun sogar so weit, dass sie die Bevölkerung um Hilfe bitten müssen. Denn durch die extremen Temperaturen verteilte sich Fugenmasse auf den Gleisen und behinderte den Betrieb. Freiwillige sollen jetzt beim Säubern der Schienen helfen – und tatsächlich meldeten sich bereits um die 100 Personen.

Enorme Schäden
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) melden, dass an vielen verschiedenen Stellen durch die Temperaturen von nahezu 40 Grad die Fugenmasse für Asphalt und Beton flüssig geworden ist. Diese sei dann in Weichen und Schienen gelaufen und dort verklumpt. Das Ausmaß der Schäden wird als „enorm“ bezeichnet.

Helfer willkommen
Schon für Dienstagnachmittag wurde ein Arbeitseinsatz mit freiwilligen Helfern an der Haltestelle Goerdelerring organisiert, da sich so viele bei den Verkehrsbetrieben gemeldet hatten. Wer mitanpacken möchte, solle unbedingt alte Kleidung sowie feste Schuhe tragen, so der Appell. Auch Arbeitshandschuhe, eine Warnweste und einen Spachtel sind selbst mitbringen. Hilfreich sei zudem eine Unterlage für die Knie. Im begleitenden Social-Media-Aufruf bedanken sich die LVB vorab: „Jede helfende Hand bringt uns alle schneller ans Ziel.“

In einer ersten Welle meldeten sich etwa 100 Personen. „Wir sind wirklich gerührt und unglaublich dankbar, dass heute so viele von euch gekommen sind“, reagierten die LVB mit einem Instagram-Video.“ Und einer der Helfer resümiert: „Das zeigt, dass wir eine funktionierende Gesellschaft sind.“

Erste Erfolge stellten sich ein
Am Samstag und Sonntag war der Straßenbahnverkehr in Leipzig nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Seitdem arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LVB rund um die Uhr – auch nachts – daran, Weichen zu säubern und die Straßenbahnen wieder einsatzfähig zu machen. Mit Erfolg: Seit Montagabend kann die Straßenbahnlinie 1 wieder im Pendelbetrieb zwischen der Endhaltestelle Lausen und der Innenstadt fahren. Seit Dienstagmittag fährt auch die Linie 11 zwischen dem S-Bahnhof Connewitz und dem Wilhelm-Leuschner-Platz.

Stark eingeschränkt bleibt aber vor allem der zentrale Bereich rund um den Bahnhofsvorplatz, weswegen der Innenstadtring weiterhin vom Straßenbahnnetz abgeschnitten bleibt.

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Martin Beier