Nicht nur Corona: Experten raten dringend zu weiterer Impfung

Wer „Impfung“ hört, denkt aktuell an Corona. Doch tatsächlich sind viele Menschen akut von einer anderen Krankheit bedroht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) rät bestimmten Personen dringend zu einer Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Denn die Zahl der durch Zecken übertragenen Krankheiten ist auf Rekordhöhe geschossen.

Das RKI beklagt eine zu geringe Impfquote gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Gleichzeitig sind die Fallzahlen der im schlimmsten Fall tödlichen Erkrankung in die Höhe geschossen.

Allein in Bayern, Hochrisiko-Bundesland für FSME, wurden im vergangenen Jahr 280 FSME-Fälle und 6.259 Borreliose-Neuerkrankungen gemeldet. Das sei mehr als in allen anderen Jahren seit Beginn der Meldepflicht vor 20 Jahren, so das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Auch bundesweit wurde mit rund 600 FSME-Fällen ein Rekord aufgestellt.

Die Prognose für dieses Jahr sieht ähnlich aus. „Ich erwarte das zweithöchste FSME-Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001“, sagte Franz Rubel vom Wiener Institut für Öffentliches Veterinärwesen. Dafür gebe es vor allem zwei Gründe, so der Experte. Erstens wachse die Zeckenpopulation merklich an, zweitens habe sich während der Pandemie das Freizeitverhalten der Menschen geändert, wodurch nun mehr Menschen mit Zecken in Berührung kommen. „Wir brauchen da noch etwa zehn Prozent Corona-Aufschlag“, sagte Rubel. Denn dieses und letztes Jahr hielten sich mehr Menschen in der heimischen Natur auf als in den Jahren zuvor. Und wer sich im Grünen aufhält, erhöht sein Risiko, eine Zecke anzutreffen.

In Deutschland bestehen vor allem zwei Risiken durch Zeckenbisse: Die FSME und die Borreliose-Erkrankung.

FSME-Hochrisikogebiete sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg. Aber auch in einigen Bezirken in Hessen, Thüringen und Sachsen wurde das Virus in Zecken nachgewiesen. Die FSME-Viren können in schweren Fällen zu einer Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung führen und sogar tödlich enden. Es gibt allerdings eine Impfung dagegen. Aber „die Impfquoten in den Risikogebieten sind nach wie vor unzureichend, um eine starke Zunahme der FSME-Fallzahlen wie im Jahr 2020 zu verhindern“, schrieb das RKI in seinem epidemiologischen Bulletin vom März 2021

Die Borreliose ist überall in Deutschland verbreitet. Sie wird über Bakterien im Magen von Zecken übertragen. Leider gibt es keine Impfung dagegen. Rechtzeitig erkannt, kann die Erkrankung mit Antibiotika behandelt werden. Wird eine Borreliose nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, kann sie chronisch verlaufen und die Lebensqualität durch Schmerzen, Erschöpfungszustände und Wesensveränderungen stark beeinflussen. Sogar ein tödlicher Verlauf ist möglich.

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