Russland bereitet Massenevakuierung der Krim vor

Auf der einst so malerischen ukrainischen Krim, die 2014 von den Russen besetzt wurde, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Die Halbinsel ist zurzeit unter konstantem ukrainischem Beschuss und weitgehend vom russischen Festland abgeschottet. Nur noch eine Brücke verbindet die vormals beliebte Urlaubsregion mit den Besetzern, und auch diese ist schwer von den Ukrainern belagert. Jetzt sollen zufolge amerikanischer und britischer Geheimdienste die Russen einen Plan ausgearbeitet haben, um die Bevölkerung, die ausreisen möchte, zu evakuieren. Dabei konnte es sich um als 2,3 Millionen Menschen handeln, die die Halbinsel ihr Zuhause nennen. 

Unerträgliche Belagerungszustände

Für die Bevölkerung auf der Krim ist der Alltag im Augenblick äußerst beschwerlich. Seit vergangenem Montag herrscht offiziell der Ausnahmezustand und der Vorrat an wichtigen Grundnahrungsmitteln ist beinahe erschöpft. Aufgrund der allgegenwärtigen ukrainischen Drohnen haben die Russen kaum Möglichkeiten, diese wieder aufzustocken. Mitte letzten Monats wurde der Treibstoff rationiert und Normalverbraucher dürfen seit Neuestem nicht mehr an den Tankstellen auftanken.  Damit verschlechtert sich auch die Lage für Lage für diejenigen, die nicht auf die Evakuierung warten und die Halbinsel früher verlassen wollen. Auf der letzten noch stehenden Brücke nach Russland, die von Putin erst im Jahre 2018 eingeweiht wurde, bilden sich schon seit Tagen lange Staus von Flüchtenden, die noch genug Treibstoff zusammenkratzen konnten, um das Kriegsgebiet zu verlassen. Die Evakuierungspläne wurden von russischen Kanälen auf der Messenger-App Telegram veröffentlicht und betreffen nicht nur die Lokalbevölkerung, sondern auch russische Einrichtungen und Institutionen, die Putin im Laufe der Besetzung auf der Krim aufbauen ließ.

“Wer die Krim kontrolliert, wird den Krieg gewinnen”

Seit der Besetzung der Krim haben sich die Russen auf der Halbinsel ausgebreitet. Die größte Stadt Sewastopol ist zurzeit das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte und die wichtigsten Stützpunkte für die russische Marine und Luftwaffe befinden sich über den Landstrich verteilt. Diese können allerdings zurzeit nur noch auf bedingt fungieren, denn ukrainische Angriffe aus der Luft und zur See sowie der chronische Treibstoffmangel haben dazu geführt, dass weit weniger Attacken von der Krim aus auf die Ukraine ausgeführt werden. „Wer die Krim kontrolliert, wird den Krieg gewinnen“, sagt der ehemalige US-General und Ukraine-Experte Ben Hodges unter Hinweis auf die strategische Bedeutung der Halbinsel sowohl für Russland als auch für die Ukraine. Zurzeit ist die Ukraine nur eine Brücke entfernt vom Ziel, die Krim zurückzuerobern. Allerdings könnte sich dies als schwieriger erweisen, als gedacht. Die Kertsch-Brücke ist nämlich weitaus widerstandsfähiger gegenüber Drohnenangriffen, und selbst ein mit Sprengstoff geladener Lkw, den die Ukrainer mitten auf dem Bauwerk detonierten, hat dem Prachtstück des russischen Ingenieurwesens keinen nennenswerten Schaden zugefügt.

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Alexander Grünstedt