Russland-Konflikt: Nächste Branche schlägt Alarm

Die Energiekosten und Lebensmittelpreise sind bereits bedrohlich gestiegen. Doch es könnte bald noch schlimmer kommen. Wenn Russland die Gaslieferungen stoppt und kein Ersatz gefunden wird, bleiben die Regal „dauerhaft leer“, meldet nun die getreideverarbeitende Wirtschaft.

Der Branchenverband für die getreideverarbeitende Industrie schlägt Alarm aufgrund der Gaskrise. “Ohne Gas keine Nudeln, keine Haferflocken, kein Müsli“, warnt der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) in seiner Pressemitteilung anlässlich einer drohenden Gasknappheit.

Der Verband fordert, dass die deutsche Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft als kritische Infrastruktur bei der Gasverteilung unterstützt wird, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hintergrund für die Warnung ist die Ausrufung der Frühwarnstufe des Notfallplans für Gas durch den Bundeswirtschaftsminister. Dabei geht es dem Verband auch um die steigenden Kosten.

Nach bisher bekannten Informationen würden im Falle einer Versorgungslücke Haushalte, soziale Einrichtungen und Wärmeversorger bevorzugt. Das hieße: Die Industrie müsste mit ihren Gasansprüchen hintenanstehen. Doch laut VGMS beansprucht die Ernährungsindustrie 12 Prozent der Erdgaslieferungen innerhalb deutscher Industrien. Die verarbeitenden Betriebe von Lebensmitteln bilden demnach zusammengenommen den zweitgrößten industriellen Erdgasabnehmer in Deutschland.

Der Klimaökonom Ottmar Edenhofer wies vor kurzem darauf hin, dass ein nicht kompensierbarer Ausfall von Gaslieferungen „Rationierungen“ zur Folge haben könne, weil in jedem Fall die Heizungen in privaten Haushalten bei der Versorgung bevorzugt würden. Neben der lebensmittelverarbeitenden Industrie träfe das unter anderem die Erzeugung von Kunststoff, Düngemitteln oder Klebstoffen, die unter Wärmezufuhr zum Endprodukt verarbeitet werden. Nach Informationen vom „Handelsblatt“ erzeugt die Industrie 31 Prozent ihres Energiebedarfs mit Erdgas.

Deutschland ist für die Versorgung mit Erdgas auf Gasimporte angewiesen. Mehr als 50 Prozent der benötigten Gasmenge stammt nach aktuellen Informationen des Bundeswirtschaftsministeriums aus Russland. Derzeit gibt es noch keinen handfesten Notfallplan, wer diese Gasmenge ersetzen könnte. Der Wirtschaftsminister aus Katar behauptete in einem Interview am Mittwoch, dass es gar unmöglich sei, die russischen Gasmengen kurzfristig zu ersetzen. Zur Stunde berichtet Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gemeinsam mit dem französischem Finanzminister Bruno Le Maire über die geplante Vorgehensweise.

Der Konflikt ums Gas ist in vollem Gange, da Russland nur noch gegen Rubel Gas liefern möchte und die G7-Staaten das verweigern. Zunächst räumte der Kreml eine Fristverlängerung ein, um seiner Forderung nachzukommen. Doch wie lange die anhält, ist ungewiss. Auch der russische Präsident Wladimir Putin befindet sich heute in Beratungsgesprächen im Zuge des Gaskonflikts. Russische Quellen meldeten am Donnerstag, dass Gazprom sich bereits auf einen Gaslieferstopp vorbereite.

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