Skandal um verschwundene Beweismittel – Ermittler durchsuchen Polizei-Dienststelle

Was soll im Fall der Missbrauchsopfer von Lügde verheimlicht werden? Ein Metallkoffer mit Datenträgern und anderen Beweismitteln zum Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) ist verschwunden. Die Suche nach diesem Koffer ist mittlerweile zu einem handfesten Polizeiskandal und einem Politikum geworden.

Am Dienstag soll es eine großangelegte Suchaktion in den Polizeiwachen von Bad Salzuflen, Blomberg und Lemgo geben. Die in einer Mappe und in einem Aluminiumkoffer aufbewahrten und nun gesuchten Datenträger sollten in einen besonderen und extra für diesen Fall eingerichteten Asservatenraum gebracht werden. Dabei fiel auf, dass wichtiges Material fehlte.

Von Seiten der Staatsanwaltschaft in Detmold wird davon ausgegangen, dass aufgrund eines nachlässigen Umgangs mit den Asservaten diese nicht auffindbar sind. Aber auch ein Diebstahl sei mittlerweile nicht mehr auszuschließen. Die nun verschwundenen Datenträger wurden allesamt beim Hauptverdächtigen Andreas V. (56) in dessen Wohnwagen sichergestellt.

Von den 155 Datenträger, welche gesichert wurden, sind bisher lediglich ganze drei ausgewertet und kopiert worden. Die Datenmenge der verschwundenen Beweismittel beträgt mehr als 700 Gigabyte. Bereits am 30. Januar wurde nach Informationen der Staatsanwaltschaft festgestellt, dass die CD’s und DVD’s verschwunden sind. Aber erst am 20. Februar begannen die Beamten mit der großangelegten Suche nach den fehlenden Beweismitteln.

„Nach meinen Erfahrungen ist es durchaus nicht selten, dass Beweismittel im Laufe eines Strafverfahrens verschwinden oder nicht mehr auswertbar sind. Man kann wohl ausschließen, dass die Unterlagen aus Versehen entsorgt worden sind. Damit bleiben zwei Möglichkeiten: entweder absichtliche Entwendung, eventuell auch im Auftrag von Außenstehenden, oder interne Schlamperei, also Fahrlässigkeit.“ , so die Einschätzung des Bochumer Kriminologen Professor Thomas Feltes.

Die Ermittler in dem Fall des vielfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern gehen nach bisherigen Kenntnissen davon aus, dass die Taten auf dem Campingplatz “Eichwald” wohl bereits vor mehr als 10 Jahren begonnen haben.

Bis 2018 sind vermutlich 31 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 13 Jahren Opfer der Missbrauchstaten geworden. Darunter auch ein Pflegekind, welches dem Hauptverdächtigen anvertraut worden ist. Besonders perfide war, dass er das Mädchen, dass er missbraucht hat, als Lockvogel nutzte, um an andere Kinder heranzukommen.

Das unfassbare Thema ist am Dienstagnachmittag auch Thema im nordrhein-westfälischen Landtag, wo Innenminister Herbert Reul (CDU) das Gremium zu den neuesten Erkenntnissen umfassend informieren will.

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt hat Reul ein Versagen der Polizei eingeräumt. Hartmut Ganzke, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion ermahnte den Innenminister bereits, die Schuld an den Vorfällen nicht allein bei der Polizei vor Ort zu suchen. Im Zusammenhang mit den Enthüllungen ist bereits ein Polizeibeamter suspendiert worden.