Sport und Politik sind empört über den Erdogan-Trikot-Skandal

Kurz vor dem Beginn der Fußball WM in Russland, sorgt ein Foto für Aufruhr in der Welt des Fußballs aber auch in der Politik. Die beiden deutschen Nationalspieler Mezut Özil und Ilkay Gündogan posierten am vergangenen Sonntag in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dabei wurden nicht nur Hände geschüttelt und in die Kamera gelächelt, sondern auch ein Trikot übergeben.

Sport und Politik – bei diesem Aufeinandertreffen dieser beiden Genres wurde eine hitzige Debatte in beiden Ressorts angestoßen. Und dies zu dem Zeitpunkt, an welchem Jogi Löw den Kader für die WM in Russland bekanntgeben wird.
Die Stimmen aus Sport und Politik sind voller Enttäuschung, Wut, Fassungslosigkeit, Unverständnis, aber auch verhaltener Worte.

So forderte die SPD-Politikerin Lake Akgün:“Man sollte in der Nationalmannschaft nur die Jungs mitspielen lassen, die Steinmeier als unseren Präsidenten akzeptieren“.
Eine Reaktion auf den Satz, welchen der deutsche Nationalspieler Gündogan auf sein Trikot für Erdogan schrieb „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“.

Auch der DFB-Präsident, Reinhard Grindel, ist erbost:“Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden. Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen.“

Oliver Bierhoff, DFB-Teammanager, hat vor, ein Gespräch mit den beiden zu führen, da er der Meinung ist, dass sich die beiden Spieler der Symbolik und Bedeutung des Fotos nicht bewusst waren.
Manche reagierten da wiederum weniger verhalten. Der Bundestagsvizepräsident, Hans-Peter Friedrich (CSU) fand es befremdlich, wenn deutsche Fußball-Nationalspieler, die unserem Land viel zu verdanken hätten, sich „vor den Wahlkampf-Karren eines ausländischen Politikers spannen lassen, der sich vor Kurzem noch abfällig über Deutschland geäußert hat.“
Es kommen Zweifel an der Integration in Deutschland auf. Constantin Schreiber, Tagesschau-Sprecher, twitterte:

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir, betonte, dass der Bundespräsident eines deutschen Fußballnationalspielers, Frank-Walter Steinmeier heiße und nicht Recep Tayyip Erdogan. Es sei geschmacklos und peinlich, wenn Fußball-Millionäre sich für die Wahlkampagne eines unter Druck stehenden autoritären Herrschers einspannen ließen und ihm Huldigungsgesten entgegenbringen, so der Politiker. Weiterhin merkte er an: „Es ist deshalb genau richtig, dass der DFB seine Spieler zurückpfeift. Schließlich sind unsere Nationalspieler auch Vorbilder für unsere Kinder. Sie sollen nicht Korruption, Unterdrückung und Hass eines alternden Alleinherrschers als Leitbilder vorgelebt bekommen, sondern unser Grundgesetz und die demokratischen Grundwerte Deutschlands. Da kann es kein Vertun geben.“

Erdogan befindet sich in Großbritannien auf einer Staats-, aber auch einer Wahlkampfreise – in Deutschland wurde ihm dies untersagt. In Großbritannien wurde der türkische Präsident mit viel Aufhebens empfangen. Das Foto kann dem Präsidenten für seine für 24. Juni vorgezogenen Wahlen nur dienlich sein.
Nach dem Treffen mit Erdogan, erklärte der deutsche Nationalspieler Gündogan beschwichtigend: „Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen. Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst.“