Tirol sperrt Straßen für Reisende

Erhebliche Einschränkungen kommen in den Sommerferien auf Transitreisende im österreichischen Bundesland Tirol zu. Seit Donnerstag gilt auf Landstraßen ein Fahrverbot, da Urlauber immer wieder zur Umfahrung von Staus oder zur Mautvermeidung die österreichischen Autobahnen meiden.

Für den Durchgangsverkehr sollen auch die Autobahnabfahrten im Großraum Innsbruck gesperrt werden. Dies hatte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA bereits am Mittwoch geäußert. Durch diese Maßnahme sollen vor allem die vom Transitverkehr betroffenen Orte an der Strecke zwischen Deutschland und Italien entlastet werden.

Gelten sollen diese drastischen Einschränkungen bis Mitte September an allen Wochenenden von Samstagmorgen 7.00 Uhr bis Sonntagabend 19.00 Uhr. Platter versicherte aber, dass dies nicht für Besucher gelte, die direkt nach Innsbruck oder in die umliegenden Dörfer wollen. Das Fahrverbot gilt ohne Ausnahme für alle Fahrzeuge, auch Lkw und Motorräder.

Reisende umgehen Staus und Mautgebühren

Auch sind in der Zwischenzeit Vorkehrungen getroffen worden, dass Navigationssysteme keine Umfahrungen mehr anzeigen werden. Navi-Betreiber haben in diesem Zusammenhang die aktuellen Verkehrsdaten mit den Verboten bereits zur Verfügung gestellt bekommen, sagte der Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, Markus Widmann. Polizeistreifen werden aber zu Sicherheit ab Donnerstag an den gesperrten Ausweichrouten kontrollieren, da man nicht weiß, ob die Navi-Anbieter diese Daten auch einspeisen. Betroffen sind von diesen Sperrungen die Ausfahrten zwischen den Anschlussstellen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn A12 sowie bei Gries am Brenner und Patsch auf der Brennerautobahn A13. Lediglich die Brennerstraße selbst ist von den Verboten ausgenommen.

Das Problem besteht darin, dass Reisende oft versuchen, die Staus auf Inntal- und Brennerautobahn zu meiden und durch das Ausweichen auf die Landstraßen versuchen, die Maut zu umgehen. Dies führt zu verständlichem Ärger der betroffenen Anwohner. Gegen diese Sünder will die örtliche Polizei nun stärker vorgehen.

Bayern nennt Maßnahmen „reine Schikane“

Mit Empörung und Unverständnis reagierte die Bayerisch Staatsregierung auf diese Maßnahmen. „Das Tiroler Verhalten ist unsäglich und reine Schikane“, sagte Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU). Ebenso sei das Verhalten des Nachbarlandes rechtswidrig. „Ich erwarte, dass die EU-Kommission dieses Verhalten sehr schnell unterbindet und für freien Reiseverkehr in Europa sorgt.“ Auch stellte Reichhart Gegenmaßnahmen in Aussicht: „Sollte die EU-Kommission dieses Verhalten durchgehen lassen, dann muss es auch für die stark belasteten bayerischen Autobahnen und Landstraßen in der Grenzregion gelten.“ Es seien mit Tirol Gespräche vereinbart, von deren Ausgang man in Bayern Reaktionen abhängig machen wolle.